ZP bewegt die Welt

Drucken Von Dr. Felix Blankenstein    aktualisiert am 18.03.2010

Zeitschriftenverlage sind immer an ihrer „Reichweite“ interessiert. Deshalb bestimmen entsprechend spezialisierte Agenturen alljährlich die Werte für LpA (Leser pro Ausgabe) und WLK (weitester Leserkreis, der wenigstens eine Ausgabe des letzten Jahres las), dazu den Bekanntheitsgrad und die Leser-Blatt-Bindung. Die daraus entstehende Rangfolge ist interessant, unterliegt aber der üblichen Unschärfe aller Umfragen. Deshalb sucht man ständig nach weiteren Kriterien, um die Reichweiten zu verifizieren. Bei den Nachrichtenmagazinen geht es nicht nur darum, wie weit sie verbreitet sind, sondern auch, was ihre Berichte politisch bewirken. Und mit einem gewissen Stolz können wir an dieser Stelle berichten, dass auch durch die ZAHNARZT & PRAXIS immer häufiger wichtige Entscheidungen angestoßen werden. Zwei Beispiele sollen unsere internationale Beachtung illustrieren.

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1) Kürzlich machten wir hier auf die weibliche Zukunft der Zahnmedizin aufmerksam und sinnierten über die Erfolgsaussichten der heutigen Studentinnen. Dies griff der Spielzeug-Konzern Mattel sofort auf und brachte eine Barbie-Puppe als Zahnärztin auf den Markt. Vor hiesigen Hygienebeauftragten hätte diese Dame mit Minirock, offenen Pumps und offenem Haar bis zum Bauchnabel wohl keine Chance, aber die Gleichstellungsbeauftragte wird’s trotzdem freuen. Und sicher auch den (nur Frauen vorbehaltenen) Dentista-Club. Auch wenn „Dentista“ im Spanischen genauso männlich wie weiblich ist. Aber selbst angesichts solch kleiner Unzulänglichkeiten sind wir wirklich stolz, auf diesem Sektor ein Umdenken angestoßen zu haben!!

2) Ende vergangenen Jahres wiesen wir hier auf ein mögliches Problem mit Prothesenhaftmitteln hin. Sie erinnern sich? Vier Texaner hatten die vom Hersteller empfohlene Tagesdosis locker um das 20- bis 30-Fache überschritten. Monatelang. Die damit verbundene Aufnahme großer Zinkmengen führte zu Kupfermangel und dadurch zu ernsten neurologischen Ausfällen, die sich unter der Therapie leider nicht komplett zurückbildeten. Aber zumindest war das Problem erkannt und man könnte nun allen Haftmittelnutzern einschärfen, die Gebrauchsanleitung ernst zu nehmen und ggf. ihren Zahnarzt zu konsultieren. In der ZP hatten wir dementsprechend schon mehrfach angemahnt, dass man sowohl Zahnärzte als auch deren Patienten viel besser über Nutzen und Schaden der Haftmittel aufklären sollte, anstatt ihren Gebrauch quasi zu tabuisieren. Nun hat ein nicht unbedeutender Haftcreme-Produzent auf unsere damalige Betrachtung reagiert und vor Gesundheitsrisiken beim Gebrauch seiner Produkte Corega® Ultra-Frisch und -Neutral gewarnt. Man beende den Vertrieb dieser zinkhaltigen Produkte freiwillig, weil bei übermäßigem Gebrauch zu viel Zink in den Körper gelangen könne [1].

Auch in diesem Falle sind wir von unserer Reichweite bzw. Wirkung beeindruckt, im Gegensatz zum ersten Beispiel aber nicht gerade stolz darauf. Nun ist man in puncto Produkthaftung von den Amerikanern ja einiges gewöhnt. Zwar ist die Katze in der Mikrowelle nur ein gern wiederholtes Märchen, doch der millionenschwere Schadenersatz für den fehlenden Hinweis auf die Hitze des McDonalds-Kaffees soll wahr sein. Aber muss nun auch hierzulande erklärt werden, dass eine maximale Tagesdosis nicht mit der LD 50 gleichzusetzen ist? Sollte auf Aspirin-Verpackungen etwa wirklich stehen, dass man nicht wochenlang täglich 160 bis 240 dieser Tabletten einnehmen dürfe? Das entspräche der texanischen Überdosierung. Nun kann man einwenden, gerade unter den Haftmittelnutzern seien auch alte und verwirrte Patienten, die einen Warnhinweis auf der Verpackung gar nicht wahrnähmen. Und weil der korrekte Haftmittelgebrauch nicht einmal an den Unis gelehrt werde, müsse man derart radikal vorgehen, um Schaden von Patienten und Industrie abzuwenden.
Ich meine, hier hat man überreagiert, und ich kann mir die Schlagzeilen der Yellow Press gut vorstellen: „Pharmariese gibt zu, Senioren jahrelang gefährdet zu haben“ oder „Uralte Warnung der Prothetik-Lehrbücher bestätigt: Haftmittel können schwer schädigen“. Aber selbst wenn sich alle zurückhalten werden, löst diese Pressemeldung doch unnütze Ängste aus. Welcher Prothesenträger kennt schon die wahre Story aus Texas? Wer merkt sich, dass es nur um viel zuviel (!!) Zink und nicht um Zink an sich geht? Gibt es nach der „Null-Zink-Diät“ der Candida-Phobiker nun die nächste Angstwelle vor diesem lebenswichtigen Element? Wir müssen es abwarten.
Spannend wird auch die Frage, wie die Mitbewerber reagieren. Vielleicht erweist sich diese Warnung ja als geschickter Schachzug im Konkurrenzkampf? Vielleicht gibt es längst eine zinkfreie und trotzdem gut haftende Corega-Creme, die just dann auf den Markt kommt, wenn Fitty-, Perlo- und Kukident dort als letzte „Zinker“ die geballte Ablehnung der verängstigten 4,3 Millionen deutscher Prothesen-Kleber zu spüren bekommen? Wir werden berichten!

[1] dpa-Meldung vom 19. Februar 2010: „Gesundheitsgefahr durch Corega Ultra Haftcreme“.

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Dr. F. Blankenstein

Dr. Felix Blankenstein

CharitéCentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

Abteilung für Zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre

Aßmannshauser Straße 4–6

14197 Berlin

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