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1. BIOMET 3i Symposium in Wien
DruckenDer Terminkalender für deutschsprachige Symposien wird allmählich immer voller, und mit dem von BIOMET 3i organisierten Treffen am 3. und 4. Dezember 2010 ist ein weiterer „Neuling“ angetreten, der auch schon anmeldete, künftig in jedem Jahr präsent sein zu wollen. Noch eine Fortbildung zur Implantologie? Gibt es von den vielen, das „I“ im Namen führenden Gesellschaften nicht längst genug über das ganze Jahr verteilte Veranstaltungen? Aber dieses Symposium geht ganz bewusst einen anderen Weg.

Es versteht sich als eine Art Klassentreffen der Anwender (und zwar sowohl der ärztlichen und technischen als auch der assistierenden) des 3i-Systems und spricht natürlich auch interessierte Starter und Wechselwähler an. Wer nun aber glaubte, das Symposium wäre damit eine bessere Werbeveranstaltung, lag vollkommen daneben. Im Gegenteil – die Veranstalter hatten für zwei Tage ein ziemlich anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Von einigen Referaten soll hier kurz berichtet werden.
Dr. Richard Lazzara (USA), einer der „Altmeister“ der Implantologie, skizzierte eingangs die Trends des Fachgebietes: Nach der längst erfolgreichen Etablierung gehe es nun um die weitere Risikominimierung, also um kürzere Behandlungszeiten, um weniger Manipulationsschritte bei der prothetischen Versorgung und ein kluges Nachsorgemanagement. Bei den Implantatformen sieht er das Platform Switching und generell kürzere Implantatkörper auf dem Vormarsch.
Mit einem der schwierigsten ästhetischen Probleme, dem Frontzahngebiet, wo Implantate oft zu weit labial und zu eng nebeneinander platziert würden, befasste sich dann Dr. Henry Salama (USA). Er ordnet die Knochen- und Mukosa-Ausgangsbefunde drei Typen zu: 1 – ideal, 2 – mit labialem Knochendefekt und 3 – mit interproximalem Knochendefekt. Sein Ziel ist es, unter Nutzung aller orthopädischen und chirurgischen Verfahren die Typen 3 und 2 möglichst um eine Klasse aufzuwerten, bevor implantiert wird. Ihm ist die Mukosadicke besonders wichtig, welche ja den darunter gelegenen Knochen mit stabilisiere. Er setzt sich eine zwei Millimeter dicke Schleimhaut zum Ziel und transplantiert dafür entsprechend oft. Dazu kämen aber auch andere Faktoren, die den gefürchteten labialen Knochenmangel auffangen können: Platform Switch, hohe Implantatdurchmesser und wenig Bewegung zwischen Implantat und Abutment. Er hält auch diesbezüglich Keramikabutments für die bessere Alternative.
Prof. Dr. Martin Lorenzoni (Universität Graz) zeigte in Film und Wort verschiedene chirurgische Techniken zur ästhetischen Bewältigung der großen Herausforderung bei Oberkieferfront-Implantaten. Er hält als Reserve gerne einige osseointegrierte Implantate vor, die bei Bedarf wiederauftauchen können, was fachsprachlich jetzt „Resubmergence“ heißt und mit dem alten Begriff des „Schläfers“ ebenfalls gut beschrieben ist.
Mit der gleichen Region befasste sich auch Prof. Dr. Michael Christgau (Düsseldorf) im aus Sicht des Berichterstatters besten Beitrag des Tages. Die Versuche, rote Ästhetik mittels angebrannter rosa Keramik zu schaffen, hält er für aussichtslos. Dazu brauche man „echte“ Mukosa, die aber auf eine Knochenunterstützung angewiesen ist, anderenfalls wäre das wie „Tapezieren ohne Wand“. Sein Weichgewebsmanagement beginnt deshalb schon bei den Extraktionsregeln: nie nach fazial hebeln, nie aufklappen, auch Einzelwurzeln ggf. schlitzen, nie bidigital komprimieren. Trotzdem muss im Frontzahnbereich fast immer augmentiert werden. Falls nicht sofort implantiert werde, müsse die Alveole auch für die verzögerte Sofortimplantation geschützt werden. Dies könne ebenso mit Knochenersatz und Membran erfolgen, wovon er jedoch zunehmend abrücke. Denn nach sechs Wochen könne man das Ersatzmaterial quasi unberührt wieder herauslöffeln, weshalb die sofortige Abdeckung mit einem Schleimhauttransplantat allein gleichermaßen genüge. Um die Kontur zu formen, setzt er für die Übergangszeit eine Klebebrücke mit ovalem Pontic ein. Den damit geschaffenen Schleimhautdeckel benutzt er später gerne als Rolllappen, danach sei mitunter sogar mehr Gingiva vorhanden als vorher.
Perfekt zu diesem Thema passte dann der folgende Beitrag von Dr. Tommie Van de Velde (Belgien), der sich mit der Werkstofffrage zu dieser Region beschäftigte. Eine 2010 veröffentlichte Studie hatte gezeigt, dass nur in 13 % der veröffentlichten Fälle auch ein wirklich ästhetisch perfektes Resultat zustande kam, was auch an falscher Werkstoffwahl liegen könne. Er verwies auf die Studie von Bucic 2002, in der acrylbasierte Verblendungen signifikant höhere Gingivitits- und Plaque-Indizes aufwiesen. Damit würden Methacrylate für diese ästhetisch hochempfindliche Region ausscheiden. Aber auch Goldlegierungen und Feldspatkeramik hätten zu Rezessionen geführt. Deshalb bevorzugt er bereits für die provisorische Versorgung und Gingivaformung hochglanzpolierte Zirkoniumoxidabutments. Damit sei das Weichgewebe am stabilsten, allerdings gleichzeitig der größte Aufwand verbunden.
Schließlich kam der Referent noch auf eine spezielle BIOMET-3i-Erfindung zu sprechen: das Encode-Abformsystem. Es handelt sich um Gingivaformer, deren Oberfläche mit einem ebenso genialen wie einfachen eingeschliffenen Code versehen ist. Die Abformung kann ohne Entfernung der Encode-Schrauben erfolgen, denn mittels dieses Codes erhält der Hersteller alle nötigen Angaben: Implantattiefe und Ausrichtung, Plattformdurchmesser und Verbindungstyp. Der versorgende Zahnarzt erhält dann das maschinell gefertigte und zur klinischen Situation perfekt passende Abutment. Und der Clou: Encode lässt sich relativ einfach auch mit einer fotografischen Abformung erfassen.
Den wesentlich besseren Knochenerhalt durch Platform Switching demonstrierte ebenso Dr. Xavier Vela (Spanien) anhand seiner Röntgenbild-Serien. Danach befasste sich Dr. Stefan Fickl (Würzburg) mit der Frage, wo aus parodontologischer Sicht die Erhaltungsgrenze der natürlichen Zähne liege. Er zeigte, dass selbst hoffnungslose Fälle mit regelmäßiger Hygienisierung, moderner Antibiose und insbesondere viel Geduld in deutlich bessere Zustände zu überführen seien. Gerade bei der kombinierten antientzündlichen und antibiotischen Therapie müsse man geduldig sein, denn oft zeige sich deren Erfolg erst nach Monaten! Etwa 10 % der Zähne blieben allerdings hoffnungslos, besonders bei Furkationsbefall 2. und 3. Grades. Für sie empfahl Fickl die konservative Parodontalchirurgie, auch in der ästhetischen Zone. Für die Planung des Zahnersatzes auf natürlichen oder implantierten Pfeilern verwies er auf Studien, nach denen das Verlustrisiko parodontal geschädigter Brücken-Ankerzähne im Seitenzahngebiet doppelt so hoch wie bei gesunden Zähnen liege, bei Teleskoppfeilern sei es sogar dreimal so hoch. Hier wäre eine offensive Therapieplanung mit Implantaten also eher angebracht.
Am zweiten Tag gab es separate Programme für die Zahnärzte, die Assistenz und die Zahntechniker, am dritten Tag schließlich noch einen „Kadaverkurs“, in dem alle potenziellen Insertionsregionen mit ihren jeweiligen Besonderheiten bearbeitet wurden.
Unser Fazit: Die BIOMET-3i-Familie wurde in Wien bestens umsorgt, fachlich wie kulinarisch. Die Organisation klappte für eine Premiere ziemlich gut, für die auf Englisch gehaltenen Vorträge gab es eine angenehme Simultanübersetzung und kleine Pannen meisterte man mit der Wiener Gelassenheit problemlos. Nun sind wir auf die eigentliche Bewährungsprobe gespannt – das zweite Symposium in diesem Jahr. Mein Ratschlag an die Veranstalter: Wer das Weichgewebsmanagement so perfekt beherrscht, sollte auch das Zeitmanagement optimieren können. Natürlich fällt es immer schwer, Referenten „abzuwürgen“, gerade wenn ihr Vortrag spannend ist. Aber die dadurch ermöglichte Diskussion kann durchaus ebenso spannend sein.
Dieses Symposium fand am Wochenende des ersten europaweiten Verkehrschaos des Winters 2010/11 statt, einige Teilnehmer aus Norddeutschland hatten abenteuerliche Reisezeiten hinter sich. Am Ende aber war man sich einig: Für diesen Termin hatte es sich gelohnt!




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