Parodontale und Implantattherapie zwischen Lifestyle und Lebensqualität

DGP-Jahrestagung 2011

Drucken aktualisiert am 04.11.2011

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP) fand in diesem Jahr vom 15. bis 17. September im Kongresshaus Baden-Baden statt. Bei strahlendem Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen nutzten knapp 700 Teilnehmer die Gelegenheit, mit nationalen und internationalen hochkarätigen Referenten das Spannungsfeld von Lebensqualität und Lifestyle über die Grenzen der Zahnmedizin hinaus zu diskutieren. Mit der Wahl des neuen Präsidenten der DGP Prof. Dr. Peter Eickholz von der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt a. M. fand die Veranstaltung bereits am Donnerstag ihren ersten Höhepunkt.

Heraeus-Symposium auf der DGP-Jahrestagung: Prof. Dr. Petra Ratka-Krüger, Prof. Dr. Peter Eickholz, PD. Dr. Bettina Dannewitz (v. l. n. r.).
Heraeus-Symposium auf der DGP-Jahrestagung: Prof. Dr. Petra Ratka-Krüger, Prof. Dr. Peter Eickholz, PD. Dr. Bettina Dannewitz (v. l. n. r.).

Unterstützende Parodontitistherapie als Schlüssel zum Erfolg



Unter dem Motto „Recall ist nicht alles, aber ohne Recall ist alles nichts!“ informierten sich rund 130 Teilnehmer am Freitagmorgen auf dem Heraeus-Symposium über „Lebensqualität durch unterstützende Parodontitistherapie (UPT)“. Renommierte Experten gaben neben Basisinformationen zur UPT einen Einblick in neueste wissenschaftlich basierte Entwicklungen.

Nach kurzer Begrüßung durch Dr. Marianne Gräfin Schmettow, Leitung Scientific Relations & Communication International Heraeus Dental, und Prof. Dr. Petra Ratka-Krüger von der Universitätsklinik Freiburg eröffnete PD Dr. Bettina Dannewitz, Universitätsklinikum Heidelberg, das Programm mit einem Vortrag über die Bedeutung der UPT. Sie brachte gleich zu Anfang das Motto der Veranstaltung auf den Punkt: Nur durch eine regelmäßige und effektiv strukturierte Erhaltungstherapie kann das Ergebnis der aktiven Parodontitisbehandlung stabilisiert und ein langfristiger Erfolg gesichert werden. Denn die subgingivale mechanische Instrumentierung bewirkt keine hundertprozentige Entfernung der parodontalpathogenen Keime; bereits nach drei bis sieben Tagen kommt es zur Rekolonisierung. Daher ist das primäre Ziel der UPT die Verhinderung eines Rezidivs bzw. der Progression von Parodontalerkrankungen. Rezidive frühzeitig zu erkennen und zu behandeln setzt neben der regelmäßigen Beurteilung der individuellen Plaquekontrolle durch Erhebung von Indizes auch eine gute Patientencompliance voraus: „Der Patient muss zum Manager seiner Erkrankung gemacht werden“, so Dr. Dannewitz. Die Expertin unterstrich abschließend die Bedeutung einer regelmäßigen Schulung der Praxismitarbeiter sowohl auf manueller als auch auf kommunikativer Basis.

Prof. Eickholz referierte zum Thema „Lokale Antibiotika in der UPT“, für deren topische subgingivale Applikation es zwei Indikationen gibt: zum einen als Unterstützung der Reinstrumentierung bei persistierenden Taschen, um den Therapieeffekt zu verbessern, zum anderen als Alternative zur subgingivalen Reinstrumentierung, um unerwünschte Effekte wie Substanzabtrag oder Hypersensibilität zu vermeiden. Eine klinische Studie mit dem 14%igen Doxycyclin-Gel Ligosan® Slow Release ergab einen zusätzlichen Nutzen bei der adjunktiven Applikation zu Scaling und Root Planing (SRP) und vergleichbar gute Ergebnisse bei der Anwendung anstelle von Scaling und Wurzelglättung. Neuere Untersuchungen bestätigen einen positiven klinischen Effekt auch für die Therapie periimplantärer Infektionen und bei Furkationsbeteiligung während der UPT.

Bei der Frage, an welchen Kriterien der Erfolg parodontaler Therapie konkret gemessen werden kann, verwies Eickholz auf die Qualitätsstandards der Schweizerischen Zahnärztegesellschaft (SSO) zur Beurteilung des Behandlungsziels. Dabei repräsentiert Standard A, der eine Resttaschentiefe bis 5 mm toleriert, den im Normalfall anzustrebenden Behandlungsausgang. Sondierungstiefen ≥ 5 mm gelten als pathologisch und stellen eine Indikation zur Reinstrumentierung dar. Diese Empfehlung basiert auf dem Ergebnis einer Übersichtsstudie, die belegt, dass das Risiko für einen Zahnverlust während der UPT ab 6 mm residualer Sondierungstiefe deutlich ansteigt.

Die wissenschaftliche Leiterin des Symposiums Prof. Ratka-Krüger ging im letzten Vortrag des Tages auf die Bedeutung der risikoorientierten UPT ein, die nachweislich einen hohen Stellenwert im parodontalen Behandlungskonzept einnimmt. Regelmäßig und konsequent durchgeführt, ist sie der Schlüssel für einen langfristigen Therapieerfolg. Die Risikoeinschätzung auf verschiedenen Ebenen nach Lang & Tonnetti (2003) ermöglicht eine individuelle Analyse und vermeidet somit eine Unter- oder Überversorgung. Prof. Ratka-Krüger stellte zudem einen Zusammenhang zu Kompetenzen der Gesprächsführung her, die in der postgraduellen Ausbildung ebenfalls ein wichtiges Thema sind. Gelingt es dem Zahnarzt, den Patienten durch eine motivierende Gesprächsführung mit ins Boot zu holen und insbesondere seine Compliance zu steigern, dann kann ein Rezidiv der Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt und damit einem Zahnverlust vorgebeugt werden.

Im Anschluss an das Symposium gewährte Dr. Gräfin Schmettow Vertretern verschiedener Fachjournale erste Einblicke in die laufende Anwendungsbeobachtung von Ligosan® Slow Release in der adjunktiven Parodontitistherapie. Die Zwischenauswertung drei Monate nach Behandlung, bei der neben der reduzierten Taschentiefe auch ein sichtbarer Entzündungsrückgang bei rund 75 Prozent der betrachteten Zähne zu verzeichnen ist, kann als ein deutlicher Erfolg der Therapie gewertet werden.

Lebensqualität bestimmt auch weiteren Tagungsverlauf



Im weiteren Verlauf der DGP-Jahrestagung stand unter anderem das Thema Halitosis im Mittelpunkt. Bei der Beurteilung der Lebensqualität rückt die Wahrnehmung von Mundgeruch in zunehmendem Maß in das Bewusstsein von Patienten. Mehrere Referenten gaben dem interessierten Fachpublikum einen aktuellen Überblick über neue Entwicklungen bei Ätiopathogenese, Diagnostik und Therapie der Halitosis. Entgegen der weitverbreiteten Ansicht, dass eine Pathologie des Gastrointestinaltraktes zugrunde liege, konnte inzwischen gut belegt werden, dass die Mundhöhle der mit Abstand häufigste Entstehungsort für Mundgeruch ist. Die deutlich zunehmende Zahl von Patienten in einschlägigen Sprechstunden dokumentiert einerseits den enormen Bedarf und andererseits die mögliche Überwindung der Hemmschwelle durch solche Spezialangebote.

Prof. Dr. Ian Needleman aus London widmete seinen Vortrag „What periodontics may contribute to quality of life“ dem Leitthema der Veranstaltung und stellte den Zusammenhang zwischen Lebensqualität und Mundgesundheit her. Anhand einer Studie belegte er den messbaren Einfluss einer parodontalen Erkrankung auf die Lebensqualität. Er ging auf die Messung der oralen Lebensqualität (OLQ) ein, die Aussagen über den psychosozialen Einfluss oraler Erkrankungen und deren Auswirkungen auf Aktivitäten des täglichen Lebens erlaubt. Die Messung der OLQ trägt wesentlich zur Entscheidungsfindung hinsichtlich der besten Therapieoption bei und bleibt daher auch für die Zukunft ein wichtiges Forschungsfeld. Aus dem objektiven klinischen Erfolg und der subjektiven OLQ-Bewertung ließen sich Aufwands- sowie Kosten-Nutzen-Analysen durchführen und aus dem Gesamtbild könnten neue Therapiestandards geschaffen werden.

Prof. Dr. Iain Chapple aus Birmingham erbrachte mit seinem Beitrag „You are what you eat! Nutrition and periodontal health“ den Nachweis, dass durch eine gezielte Lebensmittelauswahl der parodontale Entzündungsprozess günstig beeinflusst werden kann. Zahlreiche Studien belegen, dass einige Ernährungsfaktoren einen direkten Einfluss auf die Gesunderhaltung parodontaler Gewebe haben. Eine Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen kann das Fortschreiten einer parodontalen Erkrankung begünstigen, da das geschädigte Gewebe aufgrund der notwendigen Reparaturprozesse einen höheren Nährstoffbedarf hat.

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