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Oral-B-Weiterbildung „UP TO DATE“ – Nachbericht und Terminankündigung
Vier Stunden voller Prophylaxe-Wissen
DruckenGleich zwei Themenkreise der zahnmedizinischen Prophylaxe standen diesmal im Fokus der Oral-B-Weiterbildung „UP TO DATE“. Am 04. November 2011 waren 120 Teilnehmer ins ehemalige Hauptzollamt der Hamburger Speicherstadt gekommen, um Conny Schwiete, DH-Ausbilderin in Bern, Schweiz, und Dr. Alessandro Devigus, Zahnarzt in Bülach, Schweiz, zu hören. Frau Schwiete informierte umfassend zum Thema „Antibakterielle Substanzen in der Dentalprophylaxe“ und Dr. Devigus stellte „Erosionen – ein multifaktorieller Vorgang“ in den Mittelpunkt seines Vortrages.

Hochkarätige Referenten garantieren professionelles Niveau: Dr. A. Devigus und C. Schwiete neben Moderator H.-J. Pilz.
Die Oral-B UP TO DATE Weiterbildung fand in würdigem Rahmen statt: Die berühmte Hamburger Speicherstadt mit ihrem Ensemble hoch aufragender Lagerhäuser aus Wilhelminischer Zeit bildete dazu den architektonischen Hintergrund. Dieses ursprünglich als Freihandelszone ausgewiesene Gebiet gilt mittlerweile als Zentrum des urbanen Lebens im „Venedig des Nordens“ und besitzt keinerlei zollrechtlichen Ausnahmestatus mehr. Diesem Umstand war es gedankt, dass die Oral-B-Veranstaltung am 4. November 2011 im ehemaligen Zollhaus der Speicherstadt stattfand.
Nach der Begrüßung des Auditoriums stellte Moderator Hans-Joachim Pilz, Verkaufsleiter Deutschland Nord bei Procter & Gamble mit seinen Marken Oral-B und blend-a-med, die beiden Schweizer Referenten vor.
„Update – antibakterielle Substanzen. Halten sie, was sie versprechen?“
Conny Schwiete, DH-Ausbilderin und Fachlehrerin am medi I Zentrum für medizinische Bildung, Bern, erläuterte zunächst die Bedeutung des Biofilms, der mehr als nur Plaque impliziere. Sie wies darauf hin, dass die wenigsten Patienten in der Lage seien, eine optimale Mundhygiene allein durch häusliche Prophylaxe zu gewährleisten. Ergänzende klassische Präventionsstrategien – etwa eine Ernährungsumstellung auf eine saccharosearme Diät – seien zwar in Einzelfällen wichtig, aber für sich genommen nicht ausreichend. Selbst „bei perfekter häuslicher Mundhygiene“ stießen Patienten bei Sondierungstiefen von mehr als 2,5 bis 3 Millimeter Tiefe an Grenzen, die sich nur durch regelmäßige professionelle Zahnreinigungen während regelmäßiger individuell festgelegter Intervalle überwinden ließen.
Regelmäßiges Biofilm-Management in der Zahnarztpraxis sei die Voraussetzung, um den Biofilm gründlich zu zerschlagen. Zum professionellen Schutz von Zähnen und Zahnfleisch böten sich Kombinationsstrategien aus mechanischen und chemischen Hilfsmitteln an. Frau Schwiete erläuterte den Zuhörern daher die Grundüberlegungen zum Einsatz oraler Antiseptika und stellte die relevanten antibakteriellen Wirkstoffe bekannter Produkte vor, die zur Unterstützung der Karies- und Parodontaltherapie eingesetzt werden können.
Die Wirkstoffe der Antiseptika
„Antibakterielle Maßnahmen sind notwendig, zu Hause und in der Praxis. Und wer die Wirkstoffe kennt, kann die Produkte effektiv einsetzen“, konstatierte Frau Schwiete. An erster Stelle unter den Antiseptika sei der „Goldstandard“ Chlorhexidin (CHX) zu nennen. In seiner höher dosierten Form als Spüllösung, das heißt 0,1 bis 0,2 prozentig, könne es kurzfristig als „chemische Zahnbürste“ eingesetzt werden. Bakteriostatische und bakterizide Effekte sorgten für eine Reduktion der Bakterien sowie der Plaque. Für eine Langzeitanwendung könne CHX auch niedrigdosiert – etwa 0,02 bis 0,06 prozentig – als Unterstützung zur mechanischen Plaqueentfernung verwendet werden. Sollte selbst schwach dosiertes CHX nicht vertragen werden, müsse auf andere Antiseptika umgestellt werden. Das in vielen Zahnpasten enthaltene Natriumlaurylsulfat (NLS) besitze ebenfalls eine geringe antiseptische Wirkung. Frau Schwiete wies darauf hin, dass Chlorhexidin vom NLS inaktiviert würde. Deshalb solle die Wartezeit zwischen dem Zähneputzen mit NLS und dem Spülen mit CHX zirka 30 Minuten betragen.
Weitere antibakterielle Hilfsmittel zur Unterstützung der Parodontaltherapie seien Zinksalze und Zinnverbindungen. Bei Letzteren seien vor allem Zinnfluorid sowie die Kombination von Amin-/Zinnfluoridverbindungen zu nennen, welche sich in medizinischen Zahnpasten und Mundspüllösungen bewährten. Auch Triclosan in Kombination mit Copolymer (PVM/MA) habe eine plaquehemmende Wirkung mit breitem Spektrum. Im Gegensatz zu CHX erreiche man mit Triclosan die besten Ergebnisse nach 3–6 Monaten. Als Desinfektionsmittel der Mundhöhle vor chirurgischen Eingriffen und wegen seines oberflächenanästhesierenden Effektes eigne sich Jod als Taschenspülung vor einem Deep Scaling.
Gibt es mildere Varianten oraler Antiseptika?
Mischungen ätherischer Essenzen – Thymol, Eukalyptol, Methylsalicylat, Menthol – in alkoholischer Lösung, wie sie in Listerine® enthalten sind, werden seit über 100 Jahren als Mundspüllösungen verwendet. Verschiedene Studien berichten über die Reduktion bereits existierender Plaque sowie des Plaquewachstums. Dabei werde angenommen, dass der als Lösungsmittel fungierende Alkohol durch seine die Bakterienzellwand denaturierende Wirkung eine Rolle spiele. Die Retentionszeit der Ingredienzien scheine allerdings sehr kurz zu sein. Teebaumöl: Das Öl der Melaleuca alternifolia zeige eine antimikrobielle Wirkung auf ein breites Spektrum von grampositiven und gramnegativen Bakterien, Hefen und Pilze.
Xylit als weiterer antiseptischer Wirkstoff zeige einen spezifisch hemmenden Effekt auf das Wachstum von Streptococcus mutans. Schon früh sei vermutet worden, dass durch regelmässiges Kauen von xylithaltigem Kaugummi die Streptococcus-mutans-Kolonien nachhaltig reduziert werden und damit Xylit als antikariogen bezeichnet werden kann. Xylit könne auch eine gute Alternative bei vorliegender Unverträglichkeit gegenüber CHX und Fluorid sein.
Nach einer Pause folgte der zweite UP TO DATE Vortrag. „Erosionen – ein multifaktorieller Vorgang im Wandel der Zeit“, lautete das Thema von Dr. Alessandro Devigus, in Bülach niedergelassener Zahnarzt. Seit Jahren sei eine massive Zunahme von Erosionen zu beobachten. Der Verlust der schützenden Schmelzschicht entstehe oft als Folge veränderter Lebens- und Ernährungsgewohnheiten. „Insbesondere der Konsum von Getränken und Speisen mit niedrigem pH-Wert – beispielsweise Fruchtsäfte und vor allem sogenannte Energydrinks – verschärfen das Erosionsproblem. Personen mit eher gesundem Essverhalten sind hiervon stärker betroffen, wenngleich auch Patient(inn)en mit bestimmten Vorerkrankungen, wie Reflux, Bulimie oder Anorexie, stark unter Erosionen leiden können,“ so Dr. Devigus.
Grundsätzlich sei der säurebedingte Schmelzabbau aber ein multifaktorieller Vorgang und überdies irreversibel. Während der Säureangriff bei einer Karieserkrankung eher unterhalb einer intakten Oberfläche erfolge, komme es bei Erosionen zu einem direkten Angriff an der Zahnoberfläche. Bei unbehandeltem Erosionsgeschehen kommt es durch den Verlust der schützenden Schmelzschicht zu Zahnverkürzungen, Gelbverfärbungen, Problemen mit der Pulpa und einem Verlust der Bisshöhe.
Erosionsdiagnostik: individuelle pathogene Faktoren erfassen
Neben Vorerkrankungen zähle oft eine genetische Prädisposition, die sich beispielsweise in einer ungünstigen Speichelzusammensetzung darstellen könne, zu den Krankheitsursachen. Erosionen seien im Frühstadium nicht leicht zu erkennen und müssten daher differenzialdiagnostisch erfasst werden. Bewährt habe sich seit 2008 dazu der BEWE (Basic Erosive Wear Examination)-Index nach Bartlett et al.. Quantifiziert werde die BEWE anhand einer Skala von 0 („intakte Oberfläche“), 1 („beginnender Verlust der Oberfläche“), 2 (klar sichtbarer Verlust von bis zu 50 Prozent der Zahnhartsubstanz“) bis 3 („ausgeprägter Verlust von mehr als 50 Prozent der Zahnhartsubstanz“).
Welche Präventionsempfehlung gilt bei Erosionen?
Idealerweise solle das Zähneputzen vor dem Essen und danach eine Spülung mit CHX-Lösung geschehen. Eine gegenüber Handzahnbürsten effizientere Zahnreinigung gestatteten elektrische Zahnbürsten, wobei Schallbürsten die Plaque nur lockerten, während oszillierend-rotierende Elektrozahnbürsten mit 3D-Bewegung die Plaque quasi „von allein“ – aufgrund der direkteren Borstenbewegung – entfernten.
Im weiteren Vortrag gab Dr. Devigus Informationen zur Therapie der Erosionen und stellte die Three-Step Technique (TST) vor, die eine ästhetische Einprobe in der Front gefolgt von einem Aufbau der Seitenzähne durch Komposit oder Keramik und eine Versorgung der Front mit Veneers vorsieht vor. Sein abschließendes, eindringliches Fazit lautete: „Erosionen sind eine Herausforderung für das ganze Team. Eine frühzeitige Diagnose und Aufklärung des Patienten sind – neben einer effizienten häuslichen und professionellen Prophylaxe – für den Behandlungserfolg entscheidend.“
Im Anschluss an die Diskussion der beiden informativen Vorträge in der Hamburger Speicherstadt erhielt jeder Teilnehmer ein Zertifikat sowie drei Fortbildungspunkte gemäß den Richtlinien der BZÄK/DGZMK.
Die nächsten UP TO DATE-Fortbildungen finden an den folgenden Terminen statt:
| Datum | Ort |
| 20.01.2012 | Nürnberg |
| 25.01.2012 | Wiesbaden |
| 01.02.2012 | Münster |
| 08.02.2012 | Bonn |
| 14.03.2012 | Leipzig |
| 18.04.2012 | Salzburg |
| 27.04.2012 | Potsdam |
| 09.05.2012 | Tübingen |
| 23.05.2012 | Erfurt |
Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden sich auf www.uptodate-oral-b.com.




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