1. Heraeus Prothetik Symposium in Frankfurt

CAD/CAM bietet und fordert neue Präzision auf allen Ebenen

Drucken aktualisiert am 30.11.2009

Zirkoniumdioxid und CAD/CAM eröffnen der modernen Prothetik ganz neue Möglichkeiten – ästhetisch wie funktional. Gleichzeitig stellen sie neue Anforderungen an Arbeitsweisen und Präzision. Wie beides in der Zusammenarbeit von Zahnarzt und Zahntechniker erfolgreich umgesetzt werden kann, zeigten die Referenten des 1. Heraeus Prothetik Symposiums am 18. November in Frankfurt. Ca. 400 Zahntechniker und Zahnärzte nutzten die Gelegenheit zum fachlichen Austausch mit renommierten Experten aus Wissenschaft und Praxis.

CAD/CAM erfordert präzise und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Da waren sich alle Referenten einig (v. l.: Dr. Steffani Janko, Prof. Peter Pospiech, Prof. Joachim Tinschert, Prof. Hans-Christoph Lauer, Karl Pilsl, Jürgen Steidl).
CAD/CAM erfordert präzise und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Da waren sich alle Referenten einig (v. l.: Dr. Steffani Janko, Prof. Peter Pospiech, Prof. Joachim Tinschert, Prof. Hans-Christoph Lauer, Karl Pilsl, Jürgen Steidl).


In seiner Begrüßung nahm Dr. Martin Haase, Geschäftsführer von Heraeus Dental, auch die Industrie in die Pflicht. „Die Nachfrage der Patienten nach hochwertigen Versorgungen wächst“, so Dr. Haase. „Die damit verbundenen Herausforderungen werden wir, ebenso wie den anhaltenden Wandel des Gesundheitssystems, aber nur bestehen, wenn wir sie gemeinsam angehen – Zahnärzte, Zahntechniker und Industrie.“

Die Forderung nach partnerschaftlicher Zusammenarbeit zog sich wie ein roter Faden auch durch die Vorträge und Diskussionen des Symposiums. Anhand zahlreicher Fallbeispiele zeigten die Referenten, wie die Wünsche der Patienten nach naturgetreuem und funktionellem Zahnersatz mit Zirkoniumdioxid und CAD/CAM-Technologien exzellent umgesetzt werden können. Immer wieder betonten sie dabei aber auch die hohe Präzision und enge Zusammenarbeit, die der Werkstoff und seine computergestützte Verarbeitung auf allen Ebenen der Prozesskette verlangen: von der präzisen Präparation und Abformung in der Praxis über die werkstoffgerechte Gerüstgestaltung und Verblendung im Labor bis zur gemeinsamen Konzeption patientenindividueller Versorgungslösungen.

Ästhetik durch erfolgreiche Teamarbeit



„Für den Patienten ist der schönste Zahnersatz der, den sein Umfeld gar nicht sieht“, beschrieb Prof. Dr. Hans-Christoph Lauer vom Universitätsklinikum Frankfurt/Main das Ziel moderner Prothetik. Voraussetzungen hierfür seien Abutments und Gerüste, die nicht durchschimmern, ein natürlicher Approximalkontakt und eine gesunde rote Ästhetik. Zirkoniumdioxid unterstützt diese Anforderungen bei materialgerechter Verarbeitung optimal, wie Prof. Lauer am Beispiel implantatgetragener Restaurationen zeigte. Auf seinen detailscharfen Fotos konnte wohl niemand im Saal zwischen vollkeramischer Krone und echtem Zahn unterscheiden. „Solch eine hochwertige Ästhetik gelingt aber nur, wenn wir das Wissen und Können von Zahnarzt und Zahntechniker zusammenbringen“, betonte Prof. Lauer. Der Zahnarzt müsse für die spätere Erfassung im Scanner vor allem die Präparationsgrenzen klar definieren, in der Abformung auch die Weichgewebsgrenzen; der Zahntechniker die Krone entsprechend präzise und stimmig gestalten. „Insgesamt müssen wir hier weg vom Hierarchiedenken, hin zur partnerschaftlichen Kommunikation“, forderte Prof. Lauer. Er selbst hat bei Farb- und Formbestimmung gerne seinen Zahntechniker dabei, um gemeinsam mit dem Wax-up zu spielen und auch den Patienten einzubeziehen.

Möglichkeiten der Doppelkronentechnik im CAD/CAM-System



Auch für das bewährte Therapiekonzept der Doppelkronen bieten CAD/CAM-Präzision und Zirkoniumdioxid klare Vorteile. Dr. Steffani Janko vom Universitätsklinikum Frankfurt/Main schilderte diese Vorteile am Beispiel einer 80-jährigen Patientin, die sie mit einer implantatgestützten Totalprothese im Oberkiefer neu versorgt hat. Galvanisch geformte Matrizen auf Primärkronen aus Zirkoniumdioxid lösen dabei die Klemmpassung metallischer Konuskronen ab. Die präzise CAD/CAM-Fertigung mit dem cara System von Heraeus ermöglicht einen mykrometerdünnen, speichelgefüllten Spalt, der durch Kapillarwirkung eine zuverlässige Haftung sichert. Die vollkeramische Patrize und die galvanisch geformte Matrize sind im Material so verschieden, dass es dabei nicht zu Kaltverschweißungen kommen kann. Für die belasteten Primärkronen bietet das hochfeste Zirkoniumdioxid zudem enorme Stabilitätsvorteile gegenüber fragiler Glaskeramik. Die hochbelastbaren Primärkronen aus Zirkoniumdioxid können auf drei Wegen gestaltet werden: Über Doppelscan mit Wax-up, konstruieren am Bildschirm oder mittels Wachsmodellation. „Welche Variante die Richtige ist, entscheidet nicht zuletzt der Spaß des Einzelnen am virtuellen Design“, so Dr. Janko.

Werkstoff Zirkoniumdioxid: Ästhetisch und biokompatibel, hochfest und doch sensibel



Auch für viele weitere Indikationen ist Zirkoniumdioxid eine zukunftsweisende Alternative. Prof. Dr. Peter Pospiech, Direktor der Klinik für Prothetik und Werkstoffkunde der Universitätsklinik Homburg/Saar, erläuterte dies anhand von Studien und klinischen Beispielen. Neben seiner zahnähnlichen Farbe und Transluzenz gleicht Zirkoniumdioxid auch in seiner Struktur der natürlichen Zahnsubstanz und ist deshalb besonders „gewebefreundlich“. Hierzu zeigte Prof. Pospiech das klinische Beispiel einer Vollkeramikrestauration, um die sich das Weichgewebe nach fünf Jahren sichtbar regeneriert hatte. Dabei gelte es aber immer zu berücksichtigen, dass Zirkoniumdioxid keine Fehler verzeiht. Es sei zwar das prothetische Material mit der größten Festigkeit und Risszähigkeit. Anders als Metall ist es jedoch spröde und damit anfällig für Zug, Biegung und Defekte. Feine Risse oder Gefügefehler im Gerüst können so auch noch nach Jahren zum Bruch führen. „Mit Zirkoniumdioxid namhafter Hersteller, CAD/CAM und insbesondere bei industrieller Fertigung können wir solche Gefügefehler aber nahezu eleminieren“, betonte Prof. Pospiech die Bedeutung durchgängig qualitätskontrollierter Prozessketten.

Zirkoniumdioxidbasierte Restaurationen sicher verarbeiten



„Wenn wir alles beherzigen, was wir heute schon wissen, können wir auch auf Zirkoniumdioxid auf eine Langlebigkeit wie bei der Metallkeramik kommen“, versicherte Prof. Dr. Joachim Tinschert. Der praktizierende Zahnarzt und Dozent an der RWTH Aachen gab vor allem praktische Tipps zur werkstoffgerechten Verarbeitung. Klinische Studien zur Überlebensrate zeigen, dass hier nicht Gerüst-, sondern Verblendungsfrakturen die Herausforderung sind. Diese kommen vor allem im Approximalbereich vor. Um solche Frakturen zu vermeiden, muss der Zahntechniker schon das Gerüst höckerunterstützend gestalten, damit er später die Verblendkeramik in möglichst gleichmäßiger Schichtstärke auftragen kann – auch im Approximalbereich. Dafür sollte er die Möglichkeiten moderner Design-Software wie vollanatomische Kronen oder anatomisch reduzierte Käppchen nutzen. Bei Brücken sollte er nicht nur auf Verbinder- sondern auch auf ausreichende Käppchenstärken achten. Letztlich muss jedoch schon der Zahnarzt die dafür notwendigen Voraussetzungen schaffen – mit einer stimmigen und sauberen Hohlkehlpräparation mit abgerundeten Höckern. Andernfalls sollte ihm sein Zahntechniker ruhig offen sagen: „Darauf kann ich nicht arbeiten!“ Wenn beide Seiten präzise und werkstoffgerecht arbeiten, kann die Überlebensrate inklusive der Verblendung nach fünf Jahren bei 100 Prozent liegen, wie Prof. Tinschert mit einer jüngeren Studie belegte. Er selbst hat bereits 1998 vollkeramische Brücken eingesetzt, die bis heute halten.

Leuzithaltiges Material sichert langlebige Verblendung



Mit einer hochwertigen und auf das Trägermaterial abgestimmten Verblendkeramik ist die Verblendung von Zirkoniumdioxid kein Problem. Das betonte Jürgen Steidl, Geschäftsführer der Scientific Glass GmbH, die alle Dentalkeramiken von Heraeus entwickelt und produziert. Zirkoniumdioxid biete optimale Bedingungen für die Verblendkeramik: ein verwindungssteifes Gerüst mit glatten Oberflächen, ein thermisch und chemisch stabiles Oxid, sehr gute Haftfestigkeit über Adhäsion und anders als bei Metall einen fixen WAK-Wert. Wieso weisen Studien dennoch Abplatzungsraten innerhalb der Verblendung von bis zu 25 Prozent aus? Steidl erklärte dies mit der häufigen Verwendung rein glasbasierter, leuzitfreier Verblendmaterialien. Diese wichen, im Gegensatz zu leuzithaltigem Material wie HeraCeram Zirkonia, im entscheidenden Bereich stärker vom WAK des Zirkoniumdioxids ab und bauten beim Abkühlen so eine inhärente Spannung in die Verblendung ein. Zudem fehle ihnen die risshemmende Struktur der Leuzitkristalle. Eine Studie der Universität Heidelberg bestätigt die hohe Überlebensrate von leuzithaltigen Verblendkeramiken auf Zirkoniumdioxid: Während nur ein Viertel der leuzitfreien Proben die 1,2 Millionen Kauzyklen ohne Schaden überstanden, blieben alle leuzithaltigen Proben unbeschadet.

Wem gehört die Zukunft?



Diese Frage beantwortete Wirtschaftsberater und Bestsellerautor Karl Pilsl aus über-dentaler Perspektive: „Sie gehört dem, der sich seiner Fähigkeiten bewusst ist und weiß, was andere davon haben, dass es ihn gibt.“ Und – nun durchaus mit Blick auf die anwesenden Zahnärzte und Zahntechniker: „Wem es gelingt, die besten Talente im Team optimal zusammenzubringen.“ Der Weg zu erfolgreichem Handeln sei „ein Umdenken hin zu mehr Menschen- und Mitarbeiterorientierung“.

Diskussion: Auch Zahnärzte gezielt für CAD/CAM schulen



Den Vorträgen folgte eine lebhafte Diskussion zwischen Podium und Plenum, vor allem zum realen Stand der Zusammenarbeit. „Wir Zahntechniker kommen uns manchmal wie Archäologen vor, wenn wir die Präparationsgrenzen erst einmal freilegen müssen“, klagte ein Teilnehmer. Auch Prof. Tinschert sieht auf Seiten der Zahnärzte noch hohen CAD/CAM Schulungsbedarf: „Hier stehen sowohl die Universitäten als auch die Industrie in der Verantwortung.“ Dr. Janko berichtete von einer beispielhaften Ausbildung an der Uniklinik in Frankfurt. Dort lernen die Studenten schon in der vorklinischen Ausbildung wie wichtig Präzision ist, wenn sie sämtliche Arbeitsschritte der Zirkoniumdioxidrestauration bis hin zum Verblenden selbst durchführen. Für Prof. Pospiech ist die Art der Zusammenarbeit auch eine „Generationenfrage“. Gerade jüngere Zahnärzte sähen sich und ihren Zahntechniker bereits als Teamplayer statt Anweisungen von oben zu geben. Moderator Dr. Uwe Böhm, Leiter F&E Division Prosthetics bei Heraeus, hielt zum Abschluss noch mal fest: „Wie weit Zahnärzte, Zahntechniker und auch wir auf Industrieseite die notwendigen Veränderungen mittragen, wird maßgeblich über unseren gemeinsamen Erfolg entscheiden – nicht nur bei CAD/CAM und Zirkoniumdioxid.“

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