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Der erfolgreiche Ersatz seitlicher Schneidezähne

Schmale Implantate bei Aplasie – Teil 1

Drucken Von Dr. Michael Ferchland    aktualisiert am 02.03.2010

Die Aplasie der oberen seitlichen Schneidezähne ist eine relativ häufig auftretende Form der Hypodontie. Die Therapie eines solchen Defektes kann heute mit implantatgetragenen Kronen erfolgreich durchgeführt werden. Aufgrund der oft eingeschränkten Platzverhältnisse sind im Durchmesser reduzierte Implantate, wie das XiVE® 3.0, erforderlich. Der funktionelle und ästhetische Langzeiterfolg dieser Therapievariante wird durch den Erhalt von ausreichendem Knochenvolumen um das Implantat entscheidend beeinflusst.

Aplasie der beiden seitlichen Schneidezähne.
Aplasie der beiden seitlichen Schneidezähne.


Die Hypodontie bzw. Aplasie im permanenten Gebiss ist kein seltenes Ereignis. In Abhängigkeit von der Region bzw. der ethnischen  Zugehörigkeit können 3–10 % einer Population davon betroffen sein. Am häufigsten fehlen, genetisch bedingt, die zweiten Prämolaren, gefolgt von den zweiten oberen Schneidezähnen. Die Prävalenz für das Fehlen dieser Zähne liegt zwischen 0,5 und 3 % der Bevölkerung [10]. Daher ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, in der eigenen Praxis mit einem solchen Fall konfrontiert zu werden. Es stellt sich die Frage, wie man dem Patienten helfen kann. Bevor man an irgendeine Form der Therapie denkt, wäre zu klären, wie der Patient die Situation empfindet und was sein Wunsch ist.

Bei der Nichtanlage permanenter Zähne können die entsprechenden Milchzähne persistieren. Sie müssen nicht zwangsläufig entfernt werden, vor allem nicht, wenn es keine medizinischen Gründe dafür gibt und der Patient mit der Situation im Prinzip zufrieden ist. Stört den Patienten z.B. das Aussehen, gibt es mehrere therapeutische Ansätze. Ist die Prognose der Milchzähne günstig, kann ihre Form mithilfe von Kompositen oder Veneers den Nachbarzähnen angeglichen werden. Bei ungünstiger Prognose infolge von Karies, Wurzelresorptionen, Knochenanbau und/oder Lockerung ist es ratsam, diese Milchzähne zu extrahieren. Es stellt sich die Frage: In welcher Form werden sie ersetzt? In der Vergangenheit wurde oft ein kieferorthopädischer Lückenschluss favorisiert. Die an die Position der zweiten Incisivi bewegten Eckzähne mussten in der Form korrigiert werden, was immer den Verlust wertvoller (weil gesunder!) Hartsubstanz bedeutete. Unter Umständen erforderte diese unnatürliche Position des Eckzahnes auch eine Veränderung der Bisslage. Damit einhergehen können auch unphysiologische Funktionsabläufe. Günstiger ist es, insbesondere bei einer neutralen Verzahnung, die Lücken für eine definitive prothetische Versorgung zu öffnen bzw. offen zu halten. Bei Jugendlichen kann der endgültige Zahnersatz erst nach Abschluss der Wachstumsperiode angefertigt werden. Bis dahin sind geeignete Lückenhalter zu tragen.

Für den Ersatz einzelner Zähne ist in jedem Fall eine festsitzende Lösung das Mittel der Wahl. Weisen die Nachbarzähne starke – behandelte oder unbehandelte – Zahnhartsubstanzdefekte auf, wäre eine Brücke möglich. Zu bedenken ist hierbei jedoch die Prognose. Die Überlebensrate von Brücken liegt abhängig vom Beobachtungszeitraum zwischen 98 % (5 Jahre) und 28 % (25 Jahre) [5]. Nach zehn Jahren sind noch etwa 76 % der Brücken in situ [7, 12]. Die Überlebensrate ist nur ein Aspekt, der gegen eine Brücke spricht. Zu beachten sind auch die Folgen des Substanzabtrages, insbesondere die Schädigung der Pulpa trotz schonender Präparation [20].

Sind die Nachbarzähne primär gesund oder haben nur kleine Füllungen, kommt für die Versorgung nur ein Implantat in Frage. Neben der Schonung gesunder Zahnhartsubstanz spricht die günstige Prognose für Implantate. Die Überlebensrate der Implantate (nicht der prothetischen Versorgung!) liegt deutlich über 90 %. Dies ist in hunderten von Studien belegt. Stellvertretend sollen hier die Zahlen aus drei Studien genannt werden. Nach acht Jahren betrug die Überlebensrate für Implantate 97 % [11]. Nach zwölf Jahren waren es immer noch sehr beachtliche 93–96 % [4, 8]. Bei weiterem Zahnverlust kann ein solches einzelnes Implantat auch als Pfeiler einer neuen, umfangreicheren Versorgung dienen. Anhand eines Fallbeispiels wird das therapeutische Vorgehen bei der Aplasie zweiter oberer Incisivi erläutert.

Der Ersatz fehlender Schneidezähne

Ausgangssituation


Abb. 1: Als Platzhalter zum Offenhalten der Lücken dienten Maryland-Brücken.
Abb. 1: Als Platzhalter zum Offenhalten der Lücken dienten Maryland-Brücken.
Abb. 2: Das Röntgenbild verdeutlicht das eingeschränkte Platzangebot.
Abb. 2: Das Röntgenbild verdeutlicht das eingeschränkte Platzangebot.
Im Jahr 2005 stellte sich eine 20-jährige Patientin nach abgeschlossener Vorbehandlung in der Praxis vor. Die zweiten oberen Incisivi waren nicht angelegt. Die Vorbehandlung umfasste das kieferorthopädische Öffnen der Lücken und das Eingliedern von Maryland-Brücken als Platzhalter (Abb. 1 und 2). Um die Schädigung so gering wie möglich zu halten, wurde auf eine Präparation der Ankerzähne verzichtet. Die Brücken mussten mehrmals neu befestigt werden. Dies und das kosmetische Erscheinungsbild störten die Patientin. Die vertikale Dimension der ersetzten Zähne war bei den Brücken zu gering. Der stufige Übergang der Gingivalsäume wirkte unnatürlich und wurde ebenfalls als störend empfunden. Die definitive Versorgung in unserer Praxis sollte mit implantatgetragenen Einzelkronen erfolgen, um u.a. die Kosmetik zu verbessern.

Lesen Sie weiter:
Schmale Implantate bei Aplasie – Teil 2
Fotostrecke
Abb. 1: Als Platzhalter zum Offenhalten der Lücken dienten Maryland-Brücken.   Abb. 2: Das Röntgenbild verdeutlicht das eingeschränkte Platzangebot.  


Literaturverzeichnis

[1] Andersen E, Saxegaard E, Knutsen BM und Haanaes HR: A prospective clinical study evaluating the safety and effectiveness of narrow-diameter threaded implants in the anterior region of the maxilla. Int J Oral Maxillofac Implants 16, 217–224 (2001)

[2] Comfort MB, Chu FC, Chai J et al.: A 5-year prospective study on small diameter screw-shaped oral implants. J Oral Rehabil 32, 341–345 (2005)

[3] Degidi M, Novaes AB, Jr, Nardi D und Piattelli A: Outcome analysis of immediately placed, immediately restored implants in the esthetic area: the clinical relevance of different interimplant distances. J Periodontol 79, 1056–1061 (2008)

[4] Del Fabbro M, Testori T, Francetti L, et al.: Systematic review of survival rates for immediately loaded dental implants. Int J Periodontics Restorative Dent 26, 249–263 (2006)

[5] Kerschbaum T: Langzeitüberlebensdauer von Zahnersatz. Eine Übersicht. Quintessenz 55, 1113–1126 (2004)

[6] Mazor Z, Steigmann M, Leshem R und Peleg M: Mini-implants to reconstruct missing teeth in severe ridge deficiency and small interdental space: A 5-year case series. Implant Dent 13, 336–341 (2004)

[7] Quinn F, Gratton DR, McConnell RJ: The performance of conventional, fixed bridgework, retained by partial coverage crowns. J Ir Dent Assoc 41, 6–9 (1995)

[8] Renouard F, Nisand D: Impact of implant length and diameter on survival rates. Clin Oral Implants Res 17, Suppl 2, 35–51 (2006)

[9] Romeo E, Lops D, Amorfini L, et al.: Clinical and radiographic evaluation of small-diameter (3.3-mm) implants followed for 1–7 years: a longitudinal study. Clin Oral Implants Res 17, 139–148 (2006)

[10] Schroeder HE: Pathobiologie oraler Strukturen. Zähne, Pulpa, Parodont. Karger, Basel 1997

[11] Schwartz-Arad D, Laviv A, Levin L: Failure Causes, Timing, and Cluster Behavior: An 8-year study of dental implants. Implant Dent 17, 200–207 (2008)

[12] Seth M: Verweildaueranalyse von Brücken und Kronenblocks einer Kassenpraxis unter besonderer Berücksichtigung der Verblendung. Med dent Diss Köln 1995

[13] Smukler H, Castellucci F, Capri D: The role of the implant housing in obtaining aesthetics: Generation of peri-implant gingivae and papillae: Part 1. Pract Proced Aesthet Dent 15, 141–149; quiz 150 (2003)

[14] Smukler H, Castellucci F, Capri D: The role of the implant housing in obtaining aesthetics: Part 2. Customizing the peri-implant soft tissue. Pract Proced Aesthet Dent 15, 487–490; quiz 492 (2003)

[15] Tarnow DP, Cho SC, Wallace SS: The effect of inter-implant distance on the height of inter-implant bone crest. J Periodontol 71, 546–549 (2000)

[16] Traini T, Novaes AB Jr, Papalexiou V, Piattelli A: Influence of interimplant distance on bone microstructure: A histomorphometric study in dogs. Clin Implant Dent Relat Res 10, 1–10 (2008)

[17] Vigolo P, Givani A, Majzoub Z, Cordioli G: Clinical evaluation of small-diameter implants in single-tooth and multiple-implant restorations: A 7-year retrospective study. Int J Oral Maxillofac Implants 19, 703–709 (2004)

[18] Yüksel O, Chmielewski K: Die Tücke mit der Lücke. Einzelzahnversorgung mit Implantaten in der Front. Dental Magazin 26, 52–56 (2008)

[19] Zinsli B, Sagesser T, Mericske E, Mericske-Stern R: Clinical evaluation of small-diameter ITI implants: A prospective study. Int J Oral Maxillofac Implants 19, 92–99 (2004)

[20] Zöllner A, Gängler P: Mittel- und langfristige Reaktionen des Endodonts nach Überkronung. Deut Zahnärztl Z 54, 668–678 (1999)

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