Parodontitis und Allgemeingesundheit – welche Rolle kann eine Zahnpasta spielen?

Drucken Von Dr. Volker Scholz    aktualisiert am 29.09.2009

Der Beginn und die Schwere des Erkrankungsverlaufs einer Parodontitis hängen auch von individuellen Risikofaktoren ab. Hierzu gehören Allgemeinerkrankungen, für deren Entstehung und Verlauf wiederum die Parodontitis selbst ein Risiko darstellt.




Zahlreiche Studien haben in den letzten 20 Jahren diesen Zusammenhang untermauert. Bezüglich der multikausalen Geschehnisse und Einflussfaktoren besteht heute Konsens.

Die wichtigsten Allgemeinerkrankungen und Konditionen, die den Parodontitisverlauf beeinflussen, sind:
  • Diabetes mellitus
  • Fettstoffwechselstörungen und Adipositas
  • Osteoporose
  • Krankheiten mit supprimiertem Immunsystem, wie z.B. HIV/Aids
  • andere systemische Faktoren wie spezielle Medikationen (entzündungshemmende Substanzen können die Parodontitiszeichen auch kaschieren!), Stress, Störungen des Hormonhaushalts

Einfluss der Mundhygiene auf die Allgemeingesundheit



Einen Zusammenhang zwischen Mundhygieneverhalten und dem Auftreten von Allgemeinerkrankungen zeigt auch eine kürzlich erschienene Studie mit mehr als 50.000 japanischen Probanden (Fujita 2009). Bei Studienteilnehmern, die nach eigenen Angaben selten ihre Zähne putzten, wurden Diabetes mellitus (männliche und weibliche Probanden), Hypertonie (weibliche Probanden) und erhöhte Blutfettwerte bei gleichzeitig niedrigem LDL-Spiegel (männliche und weibliche Probanden) häufiger diagnostiziert als bei Probanden, die ihre Zähne täglich mindestens einmal putzten.

Welche Rolle spielen Zahncremes mit pflanzlichen Inhaltsstoffen?



Die meisten Zahncreme-Rezepturen bedienen sich chemischer Inhaltsstoffe mit „gingivapflegender“ Wirkung, wie z.B. Triclosan oder Zink. Es gibt aber auch einige Zahncremes, wie beispielsweise parodontax®, die stattdessen Mineralsalz und pflanzliche Inhaltsstoffe enthalten. Der Einfluss von parodontax® auf bestimmte Entzündungsreaktionen wurde kürzlich in einer Pilotstudie der Universität Mainz untersucht: Bei klinisch gesund erscheinenden Parodontien sind die kontinuierlich ablaufenden zellulären Ab- und Aufbauvorgänge im Gleichgewicht zueinander, sodass kollagenabbauende Matrixmetalloproteinasen (aMMPs) und Tissue Inhibitors of Matrixmetalloproteinasen (TIMPs) in Balance vorzufinden sind. Tritt eine parodontale Entzündung auf, verschiebt sich dieses Gleichgewicht zugunsten der abbauenden aMMPs, insbesondere der aktiven Matrixmetalloproteinase-8 (aMMP-8), die infolge einer Aktivierung durch die Immunzellen vorliegen.
Abb.1: aMMP-8-Reduktion nach Parodontax®-Anwendung (nach Ehlers et al. 2008).
Abb.1: aMMP-8-Reduktion nach Parodontax®-Anwendung (nach Ehlers et al. 2008).


Ehlers und Willershausen konnten mit einer Vorher-Nachher-Messung der aMMP-8-Konzentration im Sulkus nachweisen, dass sich die Entzündungsreaktion durch die Verwendung von parodontax® Zahncreme und Mundwasser-Konzentrat signifikant reduzieren ließ (Abb. 1).

Neben dem Putzkörper und Puffer-Agens Natriumbicarbonat könnten dabei auch die in parodontax® enthaltenen Pflanzenextrakte eine pflegende Rolle spielen. Gerbstoffe, die in einigen Pflanzen enthalten sind, haben eine adstringierende Wirkung, fällen also Eiweiße auf der Haut oder Schleimhaut aus. Beispiele für solche Arzneipflanzen sind Ratanhia und Salbei, deren Extrakte bzw. ätherische Öle u.a. lokal bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut angewendet werden. Für die Anwendung von Myrrhenextrakt sind neben der adstringierenden Wirkung auch schleimhautprotektive, analgetische, antimikrobielle sowie antiphlogistische Effekte nachgewiesen worden (Wichtl 2009).

Bei äußerlicher Anwendung zeigen Echinacea-Zubereitungen antiphlogistische, granulationsfördernde und wundheilungsfördernde Effekte. Es wird eine Aktivierung von Fibroblasten und eine Hemmung des Enzyms Hyaluronidase durch die in Echinacea enthaltenen Kaffeesäurederivate angenommen, wodurch die Ausbreitung entzündlicher Prozesse im Gewebe unterdrückt wird (Schöpke T).

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Abb.1: aMMP-8-Reduktion nach Parodontax®-Anwendung (nach Ehlers et al. 2008).  


Literaturverzeichnis

  • Ehlers V, Kasaj A, Prescher N, Willershausen B: MMP-8-Messung bei Patienten mit chronischer Parodontitis und Schwangerschaftsgingivitis. Dtsch Zahnärztl Z 2008; 63: 206–208

  • Ehlers V, Willershausen B: Reduktion gingivaler Entzündungsparameter durch Anwendung von Parodontax Zahncreme und Parodontax Mundwasser-Konzentrat; Studienbericht Poliklinik für Zahnerhaltungskunde, Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

  • Fujita M, Ueno K, Hata A.: Lower frequency of daily teeth brushing is related to high prevalence of cardiovasculr risk factors. Exp Biol Med (Maywood) 2009; 234 (4): 387–394

  • Prescher N, Maier K, Munjal S et al.: Rapid quantitative chairside test for active MMP-8 in gingival crevicular fluid – first clinical data. Ann N Y Acad Sci 2007; 1098: 493–495

  • Schöpke T, Universität Greifswald: Kleines Arzneipflanzenlexikon: www.pharmakobotanik.de

  • Wichtl M (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka: Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 5. Auflage 2009

Dr. Volker Scholz

Europaplatz 1

88131 Lindau

E-Mail: vscholz@sanfte-zahnheilkunde.de
http://www.sanfte-zahnheilkunde.de

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