Mehr Medizin im Studium?

Drucken aktualisiert am 20.04.2011

In Blankensteins Kolumne hatten wir zur Diskussion über das Studium der Zahnmedizin aufgerufen. Einige Kommentare finden Sie dort am Ende des Textes sowie nachfolgend einen Beitrag von Prof. Dr. Klaus M. Lehmann, Marburg.



Sehr geehrter Herr Kollege Blankenstein,

mit Ihrem Editorial haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen und die Problematik um die neue Approbationsordnung Zahnmedizin sehr gut charakterisiert. Ich war viele Jahre lang ein Verfechter eines eigenständigen zahnärztlichen Studienganges, habe aber in den letzten Jahren meine Meinung geändert: Aus meiner Sicht sollte aus vielen Gründen der künftige Zahnarzt – wie alle anderen Fachärzte auch – ein Medizinstudium absolvieren und sich dann im Rahmen einer Facharztweiterbildung zum Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde qualifizieren. Dies hätte auch den Vorteil, dass Kollegen, die in der Weiterbildung zum Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde erkennen, dass ihnen die manuelle Befähigung zu diesem Beruf fehlt, in ein anderes, nicht operativ geprägtes Fach wechseln können, ohne das Gefühl zu haben, gescheitert zu sein. Der große Nachteil ist allerdings die deutlich längere und damit teurere Ausbildung – das wird die Politik nicht mitmachen.

Ich habe bei Frau Kollegin Grunert an der Innsbrucker Universitätszahnklinik zu Zeiten des alten Systems in Österreich gesehen, was die Kollegen dort in der Facharztweiterbildung lernen mussten. Das war, was die Zahnheilkunde anbelangt, auf keinen Fall weniger als in Deutschland, eher mehr. Auch die manuelle Schulung wurde sehr betont.

Das Problem ist, dass wir uns wünschen können, was wir wollen. Ändern werden wir wohl kaum etwas! Eigenständige Studiengänge der Zahnheilkunde sind weltweit, vor allem in den anglophonen Staaten, die ja in unserem Fach sehr dominant sind, aber auch in Skandinavien, etabliert. Wenn Österreich gezwungen werden konnte, die Ausbildung der Zahnärzte dem europaweit üblichen System anzugleichen, wird es Deutschland nicht gelingen, einen anderen Weg zu gehen. Hier könnte nur eine europaweite Änderung Abhilfe schaffen, und die zu erreichen ist eine Illusion.

Aus diesen Gründen wird auch die neue ApOZ ohne deutliche Verlängerung der
Studienzeit ein halbherziges Konstrukt bleiben. Die manuelle Ausbildung wird – vor allem in der Vorklinik – zugunsten medizinischer Sachverhalte reduziert, die medizinische Ausbildung wird aber trotzdem den Anforderungen einer zeitgemäßen Zahnheilkunde nicht gerecht.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

K. M. Lehmann

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