Serie: Falldokumentationen zahnärztlicher Laserbehandlungen

Entfernung einer Leukoplakie an der Zunge mit einem Er:YAG-Laser

Drucken Von Dr. Joachim Schiffer    aktualisiert am 14.10.2009

Unser Autor Dr. Joachim Schiffer arbeitet in seiner Praxis seit Jahren mit den verschiedensten Dentallasern und leitet Fortbildungen zu diesem Thema. In seinen Artikeln stellt er Kasuistiken aus seiner Praxis vor, anhand derer man die grundsätzlichen Einsatzmöglichkeiten und ebenso die speziellen Lasereinstellungen für die verschiedensten Indikationen nachvollziehen kann. Dazu kommen einige Tricks aus seinem Erfahrungsschatz.

Abb. 1:  Ausgangsbefund.
Abb. 1: Ausgangsbefund.

Allgemeinmedizinische Anamnese



Ein 38-jähriger Mann mit unauffälliger Allgemeinanamnese (Nichtraucher, keine Risikogruppe) wurde zur Entfernung einer Leukoplakie überwiesen.

Zahnmedizinische Anamnese



Der Patient ist voll bezahnt und kariesfrei bei guter Mundhygiene. Die Schleimhäute sind gut durchblutet, jenseits der Leukoplakie fand sich kein weiterer pathologischer Befund.

Klinischer Befund



Es  existieren  keine scharfen Füllungsränder, die als Triggerfunktion Bedeutung hätten. Am rechten Zungenrand und Zungenkörper erstreckt sich ein ca. 6 x 2,5 cm langer Bereich, der weißlich verfärbt, leicht erhaben und etwas rau, aber nicht  abwischbar ist.

Diagnose



Die Diagnose Leukoplakie war vor Überweisung bereits durch Probeexzision histologisch gesichert worden.

Behandlungsplan



Leukoplakien werden als Präkanzerosen bezeichnet und sind histologisch gesehen Veränderungen in der obersten Epithelschicht der Schleimhaut mit einer erhöhten Proliferationsrate, die zur Akanthose, Hyperkeratose, Para- und Leukokeratose
Abb. 2: Flächiges  „Abrastern“  der leukoplaken Veränderung; Er:YAG-Laser, Energieeinstellung: 200mJ, 15 Hz, Pulslänge 1 ms (VLP) ohne Wasser; eine Hochleistungsabsaugung ist zu empfehlen.
Abb. 2: Flächiges „Abrastern“ der leukoplaken Veränderung; Er:YAG-Laser, Energieeinstellung: 200mJ, 15 Hz, Pulslänge 1 ms (VLP) ohne Wasser; eine Hochleistungsabsaugung ist zu empfehlen.
führen kann. Die Entartungswahrscheinlichkeit liegt bei ca. 20 %, damit ist die Indikation zur Entfernung unbedingt gegeben.

Die lasergestützte Entfernung einer Leukoplakie stellt die unkomplizierteste Methode dar, da weder Nahtversorgung noch Nahtentfernung nötig sind. Die Wunde heilt über offene Granulation. Zur Entfernung sind alle in der Zahnmedizin gebräuchlichen Laser anwendbar. Zur schonenderen Behandlung empfehlen sich aber Laser mit einer geringen Eindringtiefe, z.B CO2-Laser oder Er:YAG-Laser, damit man die Läsion schichtweise abtragen kann. Eine thermische Tiefenwirkung gilt als erwünscht. Die Behandlung wird unter Lokalanästhesie des N. lingualis durchgeführt. Zur besseren Kontrolle empfiehlt es sich, die Zunge während der Behandlung mit einem Baumwolltupfer zu halten. In diesem Fall wurde mit einem Er:YAG-Laser der Fa. Fotona (Fidelis II plus) gearbeitet.
Abb. 3: Zustand intra operationem nach einmaligem Bestrahlen, keine Blutung.
Abb. 3: Zustand intra operationem nach einmaligem Bestrahlen, keine Blutung.

Lasereinstellungen



Der Er:YAG-Laser wurde mit 200 mJ und einer Frequenz von 15 Hz bei einer Pulslänge von 1.000 µs (VLP = very long puls) ohne Wasser betrieben. Dies ermöglicht durch den erzeugten Wärmeüberschuss ein weitgehend blutungsfreies Arbeiten mit thermischer Tiefenwirkung. Als Transmissionssystem wurde das Handstück RO14 mit einem Saphirtip benutzt.

Behandlungsablauf



Abb. 4:  Lasern des zweiten Areals.
Abb. 4: Lasern des zweiten Areals.
Der Patient kam am 11.04.2006 zur Befundaufnahme und ersten Behandlung. Da ein histologischer Befund vom überweisenden Kollegen vorlag, konnte die Therapie in derselben Sitzung mit einem Er:YAG-Laser mit variablen Pulsbreiten begonnen werden. Die Abbildungen 3 und 4 zeigen die Schwierigkeit, einen einmal bestrahlten Bereich unmittelbar nach der Laserbehandlung daraufhin zu beurteilen, ob alle Veränderungen entfernt wurden.
Abb. 5: Zustand nach drei Tagen: erkennbarer Fibrinbelag und leukoplake Areale, die nicht entfernt wurden.
Abb. 5: Zustand nach drei Tagen: erkennbarer Fibrinbelag und leukoplake Areale, die nicht entfernt wurden.


 

Die erste Nachkontrolle erfolgte drei Tage später: Der Patient hatte nur geringe Beeinträchtigungen und Nachbeschwerden. Es wurden aber noch Reste der Leukoplakie festgestellt und entfernt. Um weitere Nachbehandlungen mit dem Laser zu vermeiden, wurde die Energieeinstellung bei ansonsten gleich gebliebenen Parametern von 200 auf 250 mJ erhöht. Jeder Bereich wurde dreimal mit dem Er:YAG-Laser bestrahlt. Da nun auch tiefer gelegene, gefäßführende Schichten in Mitleidenschaft  gezogen wurden, kam es diesmal zu Blutungen, die aber mit dem Laser stillbar waren (Abb. 6).
Abb. 6: Nachexzision mit dem Er:YAG-Laser. Es kam zu Blutungen, die mit dem Laser gestillt wurden.
Abb. 6: Nachexzision mit dem Er:YAG-Laser. Es kam zu Blutungen, die mit dem Laser gestillt wurden.

Schlussbefund



Nach einer Abheilungsphase von vier Wochen konnte nun die restlose Entfernung der Leukoplakie  festgestellt werden. Da bei dem Patienten anamnestisch keine durch Verhaltensänderung positiv beeinflussbaren Leukoplakie-Risiken erkennbar waren, muss langfristig mit einem Rezidiv gerechnet werden. Eine regelmäßige jährliche Nachkontrolle ist deshalb dringend anzuraten.
Abb. 7: Zustand vier Wochen nach Erstbehandlung.
Abb. 7: Zustand vier Wochen nach Erstbehandlung.

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Fotostrecke
Abb. 2: Flächiges  „Abrastern“  der leukoplaken Veränderung; Er:YAG-Laser, Energieeinstellung: 200mJ, 15 Hz, Pulslänge 1 ms (VLP) ohne Wasser; eine Hochleistungsabsaugung ist zu empfehlen.   Abb. 3: Zustand intra operationem nach einmaligem Bestrahlen, keine Blutung.   Abb. 4:  Lasern des zweiten Areals.   Abb. 5: Zustand nach drei Tagen: erkennbarer Fibrinbelag und leukoplake Areale, die nicht entfernt wurden.   Abb. 6: Nachexzision mit dem Er:YAG-Laser. Es kam zu Blutungen, die mit dem Laser gestillt wurden.   Abb. 7: Zustand vier Wochen nach Erstbehandlung.  

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