Serie: Falldokumentationen zahnärztlicher Laserbehandlungen

Vestibulumplastik mit einem 980-nm-Diodenlaser

Drucken Von Dr. Joachim Schiffer    aktualisiert am 21.06.2010

Etwa Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts verließen die Dentallaser das (wissenschaftliche) Experimentierstadium. Längst gibt es ein breites Gerätespektrum und ein immer breiteres Anwendungsspektrum, dazu kommen inzwischen auch klinische Studien, die den Kriterien der evidenzbasierten Medizin zu genügen beginnen. Trotzdem gibt es um die lasergestützten zahnärztlichen Tätigkeiten immer noch einen Grundsatzstreit.

Abb. 1: Progressive Rezessionen bei hoch einstrahlenden Bändchen, geringer Breite der Gingiva propria und falscher Putztechnik.
Abb. 1: Progressive Rezessionen bei hoch einstrahlenden Bändchen, geringer Breite der Gingiva propria und falscher Putztechnik.


Die Gegner meinen insbesondere, all die empfohlenen lasergestützten therapeutischen Maßnahmen könne man gut und gerne auch ohne den Laser ausführen, also schneiden, koagulieren, Hartsubstanz abtragen, desinfizieren und „plazeboieren“. Der Laser ist in ihren Augen eher ein Gerät zum Abschöpfen der Kaufkraft – erst beim Zahnarzt und dann bei seinen Patienten. Wer aber schon einmal mit einem Laser gearbeitet hat, entdeckt den viel angenehmeren Heilungsverlauf, die Blutarmut und Schmerzarmut. Und er entdeckt neue Möglichkeiten der Nutzung dieser Energie zur Keimbekämpfung (aPDT) und bei ästhetischen Verfahren.

Allgemeinanamnese



38-jährige Patientin in gutem Allgemeinzustand.

Zahnmedizinische Anamnese



Die Patientin ist voll bezahnt, Zahn 44 ist überkront, der Parodontalzustand ist als sehr gut zu bewerten; entzündungsfreie Gingiva, sehr gute Mundhygiene.

Klinischer Befund



Durch vermutlich falsche Mundhygienetechnik sind zahlreiche Putzdefekte entstanden. Die vorhandenen Rezessionen werden zusätzlich durch hoch einstrahlende Bändchen begünstigt. Die befestigte Gingiva ist zu schmal, am Zahn 41 gar nicht mehr vorhanden (Abb. 1). Die Rezessionen sind dementsprechend progressiv.

Behandlungsplan



Durch lasergestützte Eröffnung des Vestibulums mit anschließender offener Granulation kann ein weiteres Fortschreiten der Rezession aufgehalten werden. Im Prinzip entspricht dies einer modifizierten Edlan-Technik. Das Problem bei sekundär heilenden Wunden ist die Offenhaltung. Die Gefahr, dass die Wundränder sich wieder aufeinanderlegen, ist recht groß. Abhilfe können Befestigungsnähte oder freie Schleimhauttransplantate schaffen. Für diesen Eingriff sind Diodenlaser, CO2-Laser und Er:YAG-Laser geeignet. Allerdings kann der Er:YAG-Laser bei dieser Wundtiefe selbst bei längster Pulsbreite kein blutungsfreies OP-Feld bieten. Der CO2-Laser wäre sicher der schnellste und das Gewebe bei seiner Anwendung absolut blutungsfrei. In diesem Fall ist aber die Anwendung eines Diodenlasers mit 980 nm Wellenlänge geplant.
Abb. 2: Mit Diodenlaser eröffnetes Vestibulum, sauber und völlig blutungsfrei.
Abb. 2: Mit Diodenlaser eröffnetes Vestibulum, sauber und völlig blutungsfrei.

Lasereinstellungen



Es wurde ein Diodenlaser der Fa. Biolitec (Smilepro 980) benutzt.
  • Energieeinstellung von 6 Watt
  • Dauerstrichbetrieb
  • 300-µm-Faser im Kontaktmodus

Behandlungsablauf



Abb. 3: Nach ein bis zwei Tagen erhält die Wunde einen Fibrinbelag.
Abb. 3: Nach ein bis zwei Tagen erhält die Wunde einen Fibrinbelag.
Unter Lokalanästhesie werden die Bändchen durch Zug an der Unterlippe aufgespannt. Dadurch sieht man rasch, wo die Schnittführung erfolgen soll. Es ist wichtig, die Bandansätze komplett zu entfernen, da sich sonst Rezidive ergeben können. Bei einer Energieeinstellung von 6 Watt im CW-Modus mit einer 300-µm-Faser lässt sich das Vestibulum zügig eröffnen. Die Laserfaser muss immer auf Kontakt gebracht werden, um zu jedem Zeitpunkt die optimale Energiedichte pro Fläche zu erzeugen.

Die Bewegung der Faser über das OP-Feld erfolgte zügig. Die
Abb. 4: Deutlich erkennbarer Fibrinbelag, die Epithelisierung der Wundränder hat bereits begonnen.
Abb. 4: Deutlich erkennbarer Fibrinbelag, die Epithelisierung der Wundränder hat bereits begonnen.
Abb. 5: Nach drei Wochen ist die Wunde vollständig epithelisiert.
Abb. 5: Nach drei Wochen ist die Wunde vollständig epithelisiert.
vorgewählte Energieeinstellung ließ in diesem Fall ein absolut sauberes und blutungsfreies OP-Gebiet zurück (Abb. 2). Durch Bewegung der Unterlippe lässt sich nun überprüfen, ob alle Bandansätze entfernt sind. Auf Haltenähte und Schleimhauttransplantate konnte hier verzichtet werden. Die Patientin erhielt die Anweisung, sich 20-mal am Tag die Wunde anzuschauen. Sinn dieser Anweisung ist, ein Verkleben der Wundränder im Ursprungszustand zu verhindern. Ein weiterer wichtiger Punkt der Aufklärung ist der Umgang mit dem Fibrinbelag, der spätestens am zweiten Tag post OP auftritt (Abb. 3 und 4). Die Patienten sollten wissen, dass es sich hierbei um einen normalen Vorgang handelt, der nicht mit einer Eiterbildung verwechselt werden darf. Der Hinweis, dass es sich um ein „körpereigenes Pflaster“ handelt, welches einer Infektion durch Mundhöhlenbakterien vorbeugen kann, hilft bei der Erklärung sehr gut. Dass dieses „Pflaster“ unter keinen Umständen entfernt werden darf, versteht sich von selbst. Fibrinbeläge lösen sich aber bei sauren Speisen und Getränken auf. Deshalb sollte der Patient in dieser Phase der Behandlung möglichst auf Säuren (Essig im Salat, Kohlensäure in Getränken, Obstsäfte) für die Dauer von 3–5 Tagen verzichten. Das gewährleistet eine fast beschwerdefrei ablaufende Heilung selbst solch großflächiger Wunden. Auch in diesem Falle blieb die Patientin völlig beschwerdefrei.
Abb. 6: Eine Narbe ist erkennbar.
Abb. 6: Eine Narbe ist erkennbar.
Abb. 7: Nach vier Wochen ist erkennbar, dass die vorhandene Narbe keine Bändchenbildung mehr zulässt. Ein wenig „creeping attachment“ hat sich bereits ausgebildet.
Abb. 7: Nach vier Wochen ist erkennbar, dass die vorhandene Narbe keine Bändchenbildung mehr zulässt. Ein wenig „creeping attachment“ hat sich bereits ausgebildet.


Der Vorgang der offenen Granulation begann nach ca. einer Woche. Die Abheilung war nach drei Wochen abgeschlossen. Auf den Abbildungen 5 und 6 erkennt man die gewünschte Narbenbildung.

Schlussbefund



Nach vier Wochen erkennt man schon die ersten Veränderungen im Gingivaverlauf der betroffenen Zähne. Die Rezession im Bereich des Zahnes 31 hat sich leicht verkürzt. Bei 41 haben sich die Entzündungszeichen zurückgebildet (Abb. 7). Nach einer Abheilzeit von ca. drei Monaten sollte die Gingivasituation erneut überprüft werden. Sollte die Patientin anschließend eine Rezessionsdeckung wünschen, wäre im Bereich des Zahnes 41 noch ein kleines Schleimhauttransplantat nötig, dies würde die Breite der attached Gingiva weiter erhöhen.

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Fotostrecke
Abb. 2: Mit Diodenlaser eröffnetes Vestibulum, sauber und völlig blutungsfrei.   Abb. 3: Nach ein bis zwei Tagen erhält die Wunde einen Fibrinbelag.   Abb. 4: Deutlich erkennbarer Fibrinbelag, die Epithelisierung der Wundränder hat bereits begonnen.   Abb. 5: Nach drei Wochen ist die Wunde vollständig epithelisiert.   Abb. 6: Eine Narbe ist erkennbar.   Abb. 7: Nach vier Wochen ist erkennbar, dass die vorhandene Narbe keine Bändchenbildung mehr zulässt. Ein wenig „creeping attachment“ hat sich bereits ausgebildet.  

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