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Serie: Falldokumentationen zahnärztlicher Laserbehandlungen
Gangränbehandlung eines einwurzeligen Zahns
DruckenUnser Autor Dr. Joachim Schiffer arbeitet in seiner Praxis seit Jahren mit den verschiedensten Dentallasern und leitet Fortbildungen zu diesem Thema. In seinen Artikeln stellt er Kasuistiken aus seiner Praxis vor, anhand derer man die grundsätzlichen Einsatzmöglichkeiten und ebenso die speziellen Lasereinstellungen für die verschiedensten Indikationen nachvollziehen kann. Dazu kommen einige Tricks aus seinem Erfahrungsschatz.

Abb.1: Das Röntgenbild zeigt eine deutliche Aufhellung im unteren Wurzeldrittel von 45. Das Ungewöhnliche in diesem Fall ist die fehlende apikale Beteiligung. Der ostitische Bereich liegt offensichtlich in einem Seitenkanal.
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Allgemeinmedizinische Anamnese
Die Patientin ist zum Zeitpunkt der Behandlung 67 Jahre alt. Sie leidet unter einem linksseitigen Tinnitus und hat einen leicht erhöhten Blutzuckerwert, der medikamentös gut eingestellt ist.
Zahnmedizinische Anamnese
Die Patientin trägt im Oberkiefer eine Totalprothese, im Unterkiefer fehlen die Zähne 36, 35, 42, 46 und 47, die durch eine klammerverankerte Modellgussprothese ersetzt sind. Zahn 48 ist leicht nach mesial gekippt. Die Mundhygiene ist mäßig. Sie suchte die Praxis mit Zahnschmerzen auf.
Klinischer Befund
Vestibulär von 45 zeigt sich eine kirschgroße Auftreibung. Der Zahn ist deutlich perkussionsempfindlich, die Vitalitätsprobe negativ. Die klinischen Beschwerden korrespondieren eindeutig mit dem röntgenologischen Befund (Abb. 1).
Diagnose
Periapikale Ostitis, verursacht durch den gangränösen Pulpazerfall mit Beteiligung eines Seitenkanals und fehlender apikaler Beteiligung durch den Hauptkanal. Beginnende Abszedierung.
Behandlungsplan
Nach Trepanation und mechanischer Aufbereitung bis ISO-Größe 40 Behandlung mit einem Nd:YAG-Laser, welcher aufgrund seines Absorptionsmaximums im Bereich der Pigmentation und seiner hohen Eindringtiefe bis zu 1.100 µm Tiefe in der Lage ist, Bakterien im Kanalsystem (einschließlich der Seitenkanäle) zu zerstören. Im speziellen Fall scheint diese Methodik die einzig Erfolg versprechende zu sein, da es sich nicht um einen im wörtlichen Sinne apikalen Prozess handelt. Die Ostitis wird durch einen Seitenkanal unterhalten. Konventionelle Methoden können diesen Prozess nicht erreichen. Zuvor wird die genaue Länge des Wurzelkanals elektrometrisch bestimmt, um den Laserstrahl nicht über den Apex hinaus zu applizieren. Ausgehend vom am weitesten apikal gelegenen Punkt wird der Laser aktiviert und dann mit rotativen Bewegungen nach koronal herausgeführt. Die Dauer der Laserbehandlung ist abhängig von der Kanallänge. Als Faustregel gilt: Die halbe Wurzelkanallänge entspricht der Laserdauer in Sekunden. Die Laserfaser wird also mit einer Geschwindigkeit von zwei Millimetern pro Sekunde aus dem Kanal herausgeführt.
Dieser Vorgang wird vier- bis fünfmal pro Sitzung wiederholt, danach wird der Kanal provisorisch und möglichst dicht verschlossen. Das Abklingen der Beschwerden, der bei Wiedereröffnung fehlende Gangrän-Geruch und der trocken vorgefundene Wurzelkanal bestimmen dann den Zeitpunkt für die Wurzelfüllung.
Lasereinstellungen
Studien haben belegt, dass die höchsten Erfolgsquoten mit Nd:YAG-Lasern möglich sind. In diesem Fall wurde der Nd:YAG-Laser Sunlase 800 der Fa. Sunrise eingesetzt. Mit einem Faserquerschnitt von 200 µm, einer Energieeinstellung von 1,5 Watt und einer Frequenz von 15 Hertz bei einer Pulslänge 120 µs wurde der Wurzelkanal viermal gelasert.
Behandlungsablauf
Der erste Behandlungstermin beinhaltete die Trepanation, wobei sich Pus entleerte. Eine Aufbereitung bis zur ISO-Größe 40 war unproblematisch. Sie ist als Minimalgröße notwendig, um eine 200 µm-Faser klemmfrei im Wurzelkanal anwenden zu können. Aufgrund einer anhaltenden Blutung wurde der Wurzelkanal für zwei Tage offen gelassen, danach erneut gereinigt, mit NaOCl gespült und mit einem Glasionomerzement verschlossen. Die akute Schwellung war bereits nach zwei Tagen verschwunden. In der zweiten Sitzung wurde dann nach den oben genannten Vorgaben gelasert.
Bei diesem Fall trat nach der ersten Behandlung sofort Beschwerdefreiheit auf. Bei der Folgesitzung wurde nochmals gelasert, es kamen aber keine Endo-Instrumente mehr zum Einsatz, um die durch den Laser verursachten Dentinkanalverschlüsse nicht wieder zu eröffnen. In derselben Sitzung wurde die Wurzelfüllung durchgeführt. (Abb. 2).
Schlussbefund
Nach ca. drei Monaten wurde eine Kontrollaufnahme angefertigt (Abb. 3). Erstaunlicherweise war die Knochenausheilung bereits zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen, was üblicherweise bis zu sechs Monate in Anspruch nimmt. Offensichtlich hat die Laserbehandlung über den reinen Dekontaminationsprozess hinaus einen heilungsbeschleunigenden Effekt. In diesem Zusammenhang werden zelluläre Aktivierungsprozesse diskutiert, die der Low-Level-Lasertherapie zugeschrieben werden. Ein konventioneller Behandlungsversuch dieser von einem Seitenkanal ausgehenden Ostitits wäre bei unklarer Prognose in jedem Falle technisch und zeitlich wesentlich aufwendiger gewesen.
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