ZP aktuell – der Newsletter
Alle 14 Tage die aktuellsten Meldungen, Tipps und Trends aus der Zahnheilkunde in Ihre Mailbox. >> Jetzt kostenlos abonnieren
Meldungen, Ereignisse oder Überlegungen, die unseren Chefredakteur inspirierten.
>> Blankensteins Kolumne
Photodynamische antimikrobielle Chemotherapie in der Endodontie
DruckenUnter der photodynamischen Therapie (PDT) versteht man ursprünglich ein Verfahren zur Behandlung von Neoplasien mit spezifischem Licht in Kombination mit einer lichtempfindlichen Substanz, einem so genannten Photosensibilisator, und dem im Gewebe vorhandenen Sauerstoff. Für die Abtötung von Bakterien wird dieses Verfahren mit Sensibilisatoren auf Basis der Farbstoffe Toluidinblau oder Methylenblau verwendet, was in der Literatur häufig als photodynamische antimikrobielle Chemotherapie (PACT) oder photoaktivierte Desinfektion (PAD) bezeichnet wird.

Wurzelkanaldesinfektion mittels photodynamischer antimikrobieller Chemotherapie (PACT).
Beiträge zum Thema
Das Prinzip der PDT
Der Wirkungsmechanismus ist einfach und sehr effektiv zugleich: Eine im Bereich der zu behandelnden Region applizierte, stark verdünnte Farbstofflösung (Photosensitizer) wird mit Licht einer speziellen Wellenlänge bestrahlt. Dies regt die Farbstoffmoleküle in einem engen Frequenzband an, sie geben diese Energie an den im Umfeld gelösten Sauerstoff weiter, der dadurch in einen reaktionsfreudigen Singulett-Zustand überführt wird. Dieser Sauerstoff schädigt dann die Zellwände der Bakterien und wirkt somit als Breitband-Antiseptikum. Gleichzeitig wird die Matrix des Biofilms geschädigt, was die Nachhaltigkeit der Keimdesinfektion stark erhöht. Im Gegensatz zu Chlorhexidin oder bestimmten Antibiotika wirkt PACT nicht bakteriostatisch, sondern tötet die Bakterien sofort ab. Voraussetzungen für diese Reduktion der Bakterien um vier Zehnerpotenzen (also um 99,99 %!) sind:
- die selektive Anregung des Farbstoffes in seinem Absorptionsmaximum,
- die präzise Intensität und Wellenlänge des genutzten Lichts,
- eine definierte Einstrahldauer von z.B. 60 bis 150 Sekunden.
Für diese photoaktivierte Chemotherapie können demnach nur Lasergeräte eingesetzt werden, die eine mit den nutzbaren Farbstoffen exakt korrespondierende Wellenlänge emittieren. Für die tägliche Anwendung ist die Möglichkeit hochinteressant, den Wirkstoff mithilfe des Laserlichts gezielt ein- und auszuschalten. Damit sind sowohl der Wirkort als auch die Wirkzeit gezielt bestimmbar. Bei der Aufbereitung infizierter Wurzelkanäle, bei Revisionen vorhandener Wurzelfüllungen und beim Verschluss offener Pulpenkaven sind viele Kanäle oft mit sehr hartnäckigen Fäkalkeimen kontaminiert, welche gegen die meisten Spüllösungen und Einlagen resistent sind. Mit der PACT-Methode lässt sich in dreidimensional hochkomplexen und verzweigten Wurzelkanälen bis tief in die Dentintubuli der Kanalwände hinein eine sehr wirksame Keimelimination realisieren. Dadurch werden die Nachbeschwerden minimiert und die Prognosen verbessert.
Anwendung der photoaktivierten Chemotherapie (PACT)
- Schritt 1: Dreidimensionale mechano-chemische Aufbereitung des Kanalsystems (Abb. 1)
- Schritt 2: Photosensitizer-Lösung auftragen, 60 Sek. einwirken lassen (Abb. 2 u. 3)
- Schritt 3: Lichtexposition (PACT-Laser): 120 Sek. Bestrahlung jedes Kanals (Abb. 4)
- Schritt 4: Ausspülen mit sterilem, destillierten Wasser, sofortige Wurzelkanalfüllung und dichter Verschluss (Abb. 5)
Wissenschaftliche Studien
Zahlreiche Untersuchungen belegen die Wirksamkeit der photoaktivierten Chemotherapie (siehe auch Literaturliste). Der Feststellung einer Effizienz der PDT bei Wurzelbehandlung dienten zwei Studien, von Bonsor et al. [2] und Williams et al. [11]: Beide Male wurde der Grad der Infektion in den Kanälen zu bestimmten Punkten der Wurzelbehandlung gemessen. Die erste Studie mit sechs Patienten (Bonsor et al. [2]) diente zunächst der Evaluierung einer geeigneten Vorgehensweise bei der Probennahme infizierten Gewebes ohne weitere Kontamination. Alle Zähne wurden mittels Kofferdam isoliert. Nach Schaffung der Zugangskavität wurde die Kanalöffnung erweitert und mit einem sterilen Instrument Proben von der Kanalwand genommen und mikrobiologisch untersucht. Bei der Aufbereitung der Wurzelkanäle wurde vor jedem Instrumentenwechsel mit 1 % NaOCl und abschließend mit Salzlösung gespült. Dann wurde ein weiteres steriles Instrument in den Kanal eingeführt, eine Probe von der Dentinoberfläche gewonnen und ebenfalls mikrobiologisch untersucht. Dem schlossen sich die photodynamische Therapie und eine weitere mikrobiologische Probenentnahme an. Die Ergebnisse sind in Abb. 6 dargestellt. Es zeigt sich, dass nach konventioneller Wurzelkanalaufbereitung noch Keime im Kanal verbleiben. Diese wurden durch die photodynamische Therapie vollständig entfernt. Eine Ausnahme bildete ein Fall, bei dem es zur Kontamination bei der Probennahme kam.
In einer zweiten Studie (Williams et al. [11]) wurden insgesamt 32 Kanäle behandelt. Das Vorgehen war ähnlich dem der vorherigen Studie, jedoch wurden hier zwei Spüllösungen (20 % Zitronensäure, gefolgt von 2,25 % NaOCl) verwendet. Die Kanalaufbereitung erfolgte wie gehabt, ebenso die Probenentnahme vor und nach der Kanalaufbereitung sowie nach der photodynamischen Therapie. Abb. 7 zeigt die Ergebnisse. Keiner der Patienten berichtete über Schmerzen nach der Obturation. In den Nachuntersuchungen stellten sich alle Zähne symptomfrei, perkussionsunempfindlich und auch radiologisch ohne pathologischen Befund dar. Im weiteren Verlauf zeigte sich, dass die photodynamische Therapie außerdem zu einer schnelleren postoperativen Regeneration des Knochens führen kann (Abb. 8a u. b).
Zusammenfassung
Der verwendete Farbstoff Toloniumchlorid ist gut bekannt und wird seit langer Zeit erfolgreich als Antidot zur Therapie von Vergiftungen sogar intravenös eingesetzt. Unter Lichtexposition (635 nm Rotlicht, 100 mW) wirkt dieser an sich harmlose Farbstoff breitbandig in hohem Maße antimikrobiell. 99,99 % aller Bakterien werden effizient abgetötet.
Die Abrechnung der photoaktivierten Therapie erfolgt derzeit entweder als Analogberechnung nach § 6 Abs. 2 GOZ oder als so genannte Leistung auf Verlangen der Zahlungspflichtigen nach § 2 Abs. 3 GOZ. Wir arbeiten seit Jahren in unserer Privatklinik mit der photoaktivierten Therapie und stehen über zahlreiche DentalSchool-Trainings mit vielen Anwendern in Kontakt. Die Zahl der Studien mit photodynamischer Desinfektion hat seit zehn Jahren stetig zugenommen und die Erfolge in der Praxis lassen viele Kollegen über eine Anschaffung eines Systems nachdenken. Wir arbeiten mit dem PACT-System (Cumdente), das durch seine handliche, kabellose Lichtquelle, die hochwertige Verarbeitung verbunden mit einfacher Bedienung, vor allem aber durch die deutlich reduzierten Investitions- und Anwendungskosten wirkliche Praxisnähe erreicht.
Hier finden Sie den Abrechnungs-Tipp zur photodynamischen antimikrobiellen Therapie
Mehr zu diesem Thema
Literaturverzeichnis
[1] Bergmans L, Moisiadis P, Lambrechts P et al.: Effect of photo-activated disinfection on endodontic pathogens ex vivo. Int Endod J 41, 227–239 (2008)
[2] Bonsor SJ, Nichol R, Reid TM, Pearson GJ: An alternative regimen for root canal disinfection. Br Dent J 201, 101–105 (2006)
[3] Bonsor SJ, Nichol R, Reid TM, Pearson GJ.: Microbiological evaluation of photo-activated disinfection in endodontics (an in vivo study). Br Dent J 200, 337–341 (2006)
[4] Fimple JL, Fontana CR, Soukos NS et al.: Photodynamic treatment of endodontic polymicrobial infection in vitro. J Endod 34, 728–734 (2008)
[5] Fonseca MB, Júnior PO, Ricardo AL et al.: Photodynamic therapy for root canals infected with Enterococcus faecalis. Photomed Laser Surg 26, 209–213 (2008)
[6] Garcez AS, Nuñez SC, Hamblin MR, Ribeiro MS. Antimicrobial effects of photodynamic therapy on patients with necrotic pulps and periapical lesion.
J Endod 34, 138–142 (2008)
[7] Garcez AS, Ribeiro MS, Hamblin MR et al.: Antimicrobial photodynamic therapy combined with conventional endodontic treatment to eliminate root canal biofilm infection. Lasers Surg Med 39, 59–66 (2007)
[8] Hopp M, Biffar R: Antibakterielle photodynamische Therapie und
Softlaserbehandlung. Zahn Prax 11, 258–266 (2008)
[9] Pinheiro SL, Schenka AA, Ribeiro MC et al.: Photodynamic therapy in endodontic treatment of deciduous teeth. Lasers Med Sci 2008, Apr 22 [Epub ahead of print]
[10] Soukos NS, Chen PS, Stashenko PP et al.: Photodynamic therapy for endodontic disinfection. J Endod 32, 979-984 (2006)
[11] Williams JA, Pearson GJ, Colles MJ: Antibacterial action of photoactivated disinfection used on endodontic bacteria in planktonic suspension and in artificial and human root canals. J Dent 34, 363–371 (2006)










Leser-Kommentare
Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu verfassen.