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aPDT in der Periimplantitistherapie – Teil 1
DruckenDie Periimplantitis gilt heute als häufigste Komplikation der Implantologie. Die Therapie ist aufgrund der multifaktoriellen Genese und der komplexen Struktur-, Gewebs- und Stoffwechselsituation schwierig und oft ohne zufriedenstellendes Ergebnis. Die antimikrobielle Photodynamische Therapie (aPDT) findet aufgrund ihres effizienten und atraumatischen Charakters zunehmend Einzug in Praxen, in denen Implantologie nicht nur mit guter Vorbereitung und Durchführung, sondern auch mit sorgfältiger Nachsorge verknüpft ist.

Spülen und Belichtung mit dem HELBO® TheraLite Laser; Bildung von Singulettsauerstoff führt zur Bakterienzerstörung.
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Therapiemöglichkeiten bei Periimplantitis
Die Periimplantitis-Prävalenz wird heute mit 8 % [3] der Implantatzahl angegeben, andere Autoren berichten von einer periimplantären Mukositis bei 50 % aller Implantate [32]. Periimplantäre Entzündungen manifestieren sich mit einer erhöhten Sondierungstiefe, ggf. mit Blutungsneigung am Implantat und sind auf eine Hyperplasie des Weichgewebes (Pseudotasche) und/oder auf einen periimplantären Knochenabbau zurückzuführen. Aus Taschenbildung und Knochenabbau resultieren Schlupfwinkel für hochpathogene Anaerobier.
Moderne Implantatsysteme weisen eine mikrostrukturierte Oberfläche auf. Dies wird einerseits als vorteilhaft für die Anlagerung von Osteoblasten angesehen, andererseits erleichtert diese Struktur, wenn sie freiliegt, die Plaqueakkumulation [21]. Die ausreichende Dekontamination der rauen Implantatoberflächen gilt als Voraussetzung für den Erfolg regenerativer Verfahren [10, 12, 16]. Untersuchungen an Parodontaltaschen > 6 mm zeigten aber, dass – abhängig von der Art der Kürettage – 32 % bis 50 % der Wurzeloberfläche nach mechanischer Reinigung weiterhin kontaminiert bleiben [4]. Erschwerend ist dabei, dass die Bakterien nicht „frei wandernd“ auftreten, sondern in unterschiedlich strukturierten Biofilmen geschützt und organisiert sind. Die verschiedenen Dekontaminationsverfahren (Abätzen, Reinigen, Abtragen der mikrostrukturierten Oberfläche) reduzieren das Infektionsrisiko, schließen aber oftmals eine Knochenregeneration am Implantatinterface aus.
Eine Reihe unterschiedlicher Konzepte sind tierexperimentell und klinisch überprüft worden: systemische Antibiose in Kombination mit Kürettage und Reinigung mit NaCl-Lösung [20], Anwendung von Pulverstrahlgeräten [2, 24], Kombination von Zitronensäure und Reinigung durch Pulverstrahl [11, 13], Chlorhexidinspülungen [29] und die Anwendung von Lasern [1, 6, 22]. Chemische Verfahren, z.B. mit Zitronensäure oder Wasserstoffperoxid, scheitern oft an der notwendigen Dosis-Zeit-Relation: Eine ausreichend intensive bakterizide Wirkung wird oft erst dann erreicht, wenn es gleichzeitig zur Schädigung der Regenerationsfähigkeit des Knochens kommt. Beim Einsatz verschiedener hochenergetischer Laser [5, 14] ist ein hoher chirurgischer Aufwand notwendig, um das Laserlicht auch in schmalen und tiefen Defekten auf die Oberfläche auszurichten, dabei ist das Risiko der Modifikation der Implantatoberfläche durch die Laserenergie nicht auszuschließen. Dagegen stellt die aPDT eine effiziente Therapiemethode dar [8, 9]. Bei diesem Verfahren wird eine lichtaktive Farbstofflösung als Photosensibilisator in die periimplantäre Tasche eingebracht. Während der Einwirkzeit von mindestens 60 Sekunden diffundiert der Farbstoff in den Biofilm und lagert sich an die Bakterienmembran an. Dann erfolgt die Aktivierung des Photosensibilisators mittels einer speziellen Laserlichtquelle. Dabei entstehen so genannte Singulettsauerstoffmoleküle, die naturgemäß starke Oxidationsmittel sind. Sie reagieren mit der Bakterienmembran und schädigen sie dabei irreversibel [7, 27, 28]. Hierdurch wird unmittelbar die Dekontamination des periimplantären Gewebes und der Implantatoberfläche erreicht.
Die aPDT hat sich auch bei der Therapie von Candidainfektionen [26], viralen Infektionen und der „normalen“ Parodontitis [7, 31] bewährt. Seit 2003 steht ein hierfür zugelassenes Therapiesystem der Firma HELBO zur Verfügung.
Klinik der HELBO-Methode
Das HELBO-Verfahren kann analog zur Parodontitistherapie in die Behandlung der Periimplantitis integriert werden. Die Indikationen sind die gleichen, welche in der Parodontalchirurgie gelten:
- klinisch sichtbare Entzündungszeichen, wie BOP und Sondierungstiefen > 4 mm
- radiologisch darstellbare periimplantäre Knochenläsionen (trichterförmige Defekte)
Als Kontraindikationen gelten wegen der schlechten Prognose:
- schwere Grunderkrankungen
- Nikotin- und oder Alkoholabusus
- fehlende Compliance
Die eigentliche Therapie gliedert sich in vier Abschnitte:
1. Initialtherapie:
- Motivation und Instruktion des Patienten
- PZR, Reinigung und Politur der freiliegenden Implantate und ggf. der Suprastruktur mit ggf. Adjustierung der Okklusion
- initiale Dekontamination mit aPDT (60 Sek. Einwirkzeit des HELBO® BluePhotosensitizers, 60 Sek. Belichtung pro Pfeiler, HELBO® 3D Pocket Probe, HELBO® TheraLite Laser)
2. Resektive Phase bei Vorliegen eines radiologisch darstellbaren Knochendefektes:
- Bildung eines Mukoperiostlappens
- Entfernung des Granulationsgewebes
- tiefe Dekontamination mit aPDT (180 Sek. Einwirkzeit des HELBO® Blue Photosensitizers, 60 Sek. Belichtung pro Pfeiler, HELBO® 2D Spot Probe, HELBO® TheraLite Laser )
- apikales Verschieben der Weichgewebsmanschette (Taschenreduktion)
- Politur freiliegender Implantatflächen
3. Rekonstruktive Phase:
- Knochenaugmentation, falls erforderlich
- gingivale ästhetische Korrekturen
4. Recallphase:
- 1 und 4 Wochen post op.
- 3 und 6 Monate post op., dabei erneute Dekontamination der freiliegenden Areale
- jährlich vollständige Befunderhebung mit Röntgenkontrolle und Dekontamination der freiliegenden Areale, bakteriologische Untersuchung der behandelten Region
Lesen Sie weiter:
aPDT in der Periimplantitistherapie – Teil 2
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Literaturverzeichnis
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