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Der erfolgreiche Ersatz seitlicher Schneidezähne

Schmale Implantate bei Aplasie – Teil 2

Drucken Von Dr. Michael Ferchland    aktualisiert am 02.03.2010

Aplasie der beiden seitlichen Schneidezähne.
Aplasie der beiden seitlichen Schneidezähne.
Planung


Bei der Versorgung im oberen Frontzahnbereich
Abb. 1: Als Platzhalter zum Offenhalten der Lücken dienten Maryland-Brücken.
Abb. 1: Als Platzhalter zum Offenhalten der Lücken dienten Maryland-Brücken.
stehen kosmetische Aspekte sehr stark im Vordergrund. Die Nichtanlage der oberen Incisivi bedeutet meist, dass der Zahnbogen in seiner Breite reduziert ist, da die Milchzähne eine geringere mesiodistale Ausdehnung aufweisen als die permanenten Zähne. Bei der Versorgung dieser verkleinerten Lücken (Einstiegsbild und Abb. 3) sind schon in der Planungsphase einige Dinge zu bedenken.

Infolge der Aplasie ist mit einem verminderten Knochenvolumen in vertikaler und horizontaler Richtung zu rechnen. Der Umfang des Verlustes bestimmt, ob  augmentative Maßnahmen erforderlich sind. Bei der Patientin war keine Augmentation notwendig.
Abb. 2: Das Röntgenbild verdeutlicht das eingeschränkte Platzangebot.
Abb. 2: Das Röntgenbild verdeutlicht das eingeschränkte Platzangebot.
Der langfristige Erfolg einer implantatgetragenen prothetischen Versorgung  ergibt sich nicht nur aus funktionellen Aspekten, sondern auch aus der Wiederherstellung einer ansprechenden Rot-Weiß-Ästhetik [13, 14]. Ein natürlicher Gingivaverlauf um das Implantat und damit um die späteren Kronen erfordert eine entsprechende knöcherne Basis. Der Abstand zwischen dem Implantat und dem Nachbarzahn sollte 1,5–2,0 mm betragen [3, 15, 16]. Subtrahiert man von der Lückenbreite (auf Knochenniveau!) 3–4 mm, ergibt sich die Bandbreite für den Implantatdurchmesser.
Abb. 3: Zustand nach dem Entfernen der Maryland-Brücke.
Abb. 3: Zustand nach dem Entfernen der Maryland-Brücke.
Bei der Auswahl des Implantates spielt nicht nur das Knochenangebot in mesial-distaler Richtung, sondern auch in vestibulo-oraler Richtung eine Rolle. Der vestibuläre Rand des Implantates sollte mindestens 1 mm hinter einer gedachten Tangente der Nachbarzähne liegen, damit eine knöcherne Basis für den Gingivalsaum vorhanden ist [18]. Dies ist bei der Ausrichtung des Implantates ebenfalls zu berücksichtigen. Damit der Interdentalraum durch die Papille ausgefüllt wird, muss der vertikale Abstand zwischen der Knochenkante und dem approximalen Kontaktpunkt zwischen 3 und 6 Millimetern liegen [3].

Abb. 4: Erfolgreich inseriertes Implantat – XiVE® 3.0 (DENTSPLY Friadent). Zwischen Implantat und Nachbarzähnen muss ein Abstand von 1,5–2 mm sein.
Abb. 4: Erfolgreich inseriertes Implantat – XiVE® 3.0 (DENTSPLY Friadent). Zwischen Implantat und Nachbarzähnen muss ein Abstand von 1,5–2 mm sein.
Unter Berücksichtigung der genannten Aspekte wurden im vorliegenden Fall für die Versorgung XiVE® Implantate (DENTSPLY Friadent) mit einem Durchmesser von 3,0 mm ausgewählt. Diese Gruppe von Implantaten (narrow diameter) hat sich im klinischen Einsatz bewährt [1, 2, 6, 9, 17, 19]. Schmale Implantate geben dem Zahntechniker auch mehr Spielraum für eine naturnahe Gestaltung der Krone.

Bei der Patientin wird der Platz für die Implantate durch die distale Angulation der beiden Eckzähne, insbesondere durch den Zahn 23, noch zusätzlich eingeengt (Abb. 1–3 und 13). In einem solchen Fall wäre es ratsam, die Eckzähne kieferorthopädisch in die korrekte Position (Torque, Angulation und Rotation) zu bringen.
Abb. 5: Zustand eine Woche nach der Insertion.
Abb. 5: Zustand eine Woche nach der Insertion.
Dadurch würde man nicht nur Platz gewinnen, sondern könnte auch das kosmetische Erscheinungsbild deutlich verbessern. Mit einer festsitzenden Apparatur dauert eine solche Positionsänderung ungefähr drei Monate. Die Patientin wünschte jedoch keine erneute kieferorthopädische Behandlung.
Implantation


Nach dem Entfernen der Maryland-Brücken (Abb. 3) fand sich am Zahn 23 eine Karies, vermutlich begünstigt durch die Gestaltung der Brücke (Abb. 1). Im Rahmen der Gesamttherapie erfolgte die Versorgung des Defektes mit einer Füllung. Zur besseren Sicht und zum Beurteilen der Knochenqualität wurde ein kleiner Mukoperiostlappen gebildet. Die Inzision erfolgte krestal mit einer dezenten Entlastung im Sulkus der Nachbarzähne. Durch dieses Vorgehen vermeidet man Narben. Die Abbildung 4 verdeutlicht, warum es notwendig
Abb. 6: Die Gingivakappen dienen zur ersten Ausformung des periimplantären Weichgewebes.
Abb. 6: Die Gingivakappen dienen zur ersten Ausformung des periimplantären Weichgewebes.
war, ein XiVE® 3.0 zu setzen. Nur dieser schmale Durchmesser ermöglicht den Erhalt des notwendigen Knochenvolumens um das Implantat, damit sich eine kosmetisch ansprechende Gingivakontur ausbilden kann.
Die prothetische Versorgung


Nach einer geschlossenen Einheilung (Abb. 5) von drei Monaten erfolgten das Freilegen der Implantate und das Eingliedern der Gingivaformer (Abb. 6), die  über vier Wochen getragen wurden. Die für die Abformung
Abb. 7: Die FRIADENT® Übertragungsaufbauten mit TransferCap verdeutlichen die Ausrichtung der Implantate.
Abb. 7: Die FRIADENT® Übertragungsaufbauten mit TransferCap verdeutlichen die Ausrichtung der Implantate.
Abb. 8: Mithilfe der Abutments erfolgt das Anpassen der Kronenachse an den Zahnbogen.
Abb. 8: Mithilfe der Abutments erfolgt das Anpassen der Kronenachse an den Zahnbogen.
eingesetzten FRIADENT® Übertragungsaufbauten mit TransferCap (Abb. 7 und 8) verdeutlichen die Ausrichtung der Implantate. Diese Ausrichtung analog zu den Nachbarzähnen ist erforderlich, damit die Implantate ausreichend von Knochen umgeben sind und eine Fenestration der vestibulären Knochenwand vermieden wird. Der Ausgleich zwischen der Implantatachse und der Kronenachse erfolgt über die Individualisierung der Abutments (FRIADENT® AuroBase – Abb. 9). Die fertigen Keramikkronen wurden mit provisorischem Zement befestigt.
Das Ergebnis


Unmittelbar nach der Eingliederung (Abb. 10 und 11) sind die Papillen nur unzureichend ausgebildet. Drei Monate nach der Eingliederung hat sich die Weichgewebssituation um die Kronen schon deutlich verbessert (Abb. 12 und 13). Nach drei Jahren ist die Situation immer noch stabil (Abb. 14 und 15). Ein wichtiger Grund dafür ist neben einer adäquaten Mundhygiene das Einhalten der o.g. Abstände zwischen Implantaten und Nachbarzähnen. Das Röntgenbild (Abb. 16) zeigt, dass es auch nach drei Jahren keinen Knochenabbau um die XiVE® Implantate gab. Das Bild verdeutlicht das geringe Platzangebot und damit die Notwendigkeit des Einsatzes von Implantaten mit reduziertem Durchmesser.
Abb. 9: Die eingeschraubten Abutments unmittelbar vor der Eingliederung der Keramikkronen.
Abb. 9: Die eingeschraubten Abutments unmittelbar vor der Eingliederung der Keramikkronen.

Fazit



Der Erfolg implantagetragener Kronen definiert sich insbesondere im Frontzahnbereich nicht nur über die dauerhafte Osseointegration, sondern in entscheidendem Maß auch über die Wiederherstellung der gingivalen Kontur (Rot-Weiß-Ästhetik). Um dies zu erreichen, müssen Planung und Umsetzung Hand in Hand gehen.

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Abb. 1: Als Platzhalter zum Offenhalten der Lücken dienten Maryland-Brücken.   Abb. 2: Das Röntgenbild verdeutlicht das eingeschränkte Platzangebot.   Abb. 3: Zustand nach dem Entfernen der Maryland-Brücke.   Abb. 4: Erfolgreich inseriertes Implantat – XiVE® 3.0 (DENTSPLY Friadent). Zwischen Implantat und Nachbarzähnen muss ein Abstand von 1,5–2 mm sein.   Abb. 5: Zustand eine Woche nach der Insertion.   Abb. 6: Die Gingivakappen dienen zur ersten Ausformung des periimplantären Weichgewebes.   Abb. 7: Die FRIADENT® Übertragungsaufbauten mit TransferCap verdeutlichen die Ausrichtung der Implantate.   Abb. 8: Mithilfe der Abutments erfolgt das Anpassen der Kronenachse an den Zahnbogen.   Abb. 9: Die eingeschraubten Abutments unmittelbar vor der Eingliederung der Keramikkronen.   Abb. 10 u. 11: Zustand unmittelbar nach der Eingliederung der Kronen.   Abb. 11   Abb. 12 u. 13: Zustand drei Monate nach der Eingliederung der Kronen.   Abb. 13   Abb. 14 u. 15: Zustand drei Jahre nach der Eingliederung der Kronen.   Abb. 15   Abb. 16: Nach drei Jahren sind keine Anzeichen von Knochenabbau zu erkennen.  


Literaturverzeichnis

[1] Andersen E, Saxegaard E, Knutsen BM und Haanaes HR: A prospective clinical study evaluating the safety and effectiveness of narrow-diameter threaded implants in the anterior region of the maxilla. Int J Oral Maxillofac Implants 16, 217–224 (2001)

[2] Comfort MB, Chu FC, Chai J et al.: A 5-year prospective study on small diameter screw-shaped oral implants. J Oral Rehabil 32, 341–345 (2005)

[3] Degidi M, Novaes AB, Jr, Nardi D und Piattelli A: Outcome analysis of immediately placed, immediately restored implants in the esthetic area: the clinical relevance of different interimplant distances. J Periodontol 79, 1056–1061 (2008)

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[5] Kerschbaum T: Langzeitüberlebensdauer von Zahnersatz. Eine Übersicht. Quintessenz 55, 1113–1126 (2004)

[6] Mazor Z, Steigmann M, Leshem R und Peleg M: Mini-implants to reconstruct missing teeth in severe ridge deficiency and small interdental space: A 5-year case series. Implant Dent 13, 336–341 (2004)

[7] Quinn F, Gratton DR, McConnell RJ: The performance of conventional, fixed bridgework, retained by partial coverage crowns. J Ir Dent Assoc 41, 6–9 (1995)

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[14] Smukler H, Castellucci F, Capri D: The role of the implant housing in obtaining aesthetics: Part 2. Customizing the peri-implant soft tissue. Pract Proced Aesthet Dent 15, 487–490; quiz 492 (2003)

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[16] Traini T, Novaes AB Jr, Papalexiou V, Piattelli A: Influence of interimplant distance on bone microstructure: A histomorphometric study in dogs. Clin Implant Dent Relat Res 10, 1–10 (2008)

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[18] Yüksel O, Chmielewski K: Die Tücke mit der Lücke. Einzelzahnversorgung mit Implantaten in der Front. Dental Magazin 26, 52–56 (2008)

[19] Zinsli B, Sagesser T, Mericske E, Mericske-Stern R: Clinical evaluation of small-diameter ITI implants: A prospective study. Int J Oral Maxillofac Implants 19, 92–99 (2004)

[20] Zöllner A, Gängler P: Mittel- und langfristige Reaktionen des Endodonts nach Überkronung. Deut Zahnärztl Z 54, 668–678 (1999)

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