Für das Praxisteam: Wie sag ich’s meinem Patienten? – Teil 2

„Fitnessstudio fürs Implantat!“

Drucken Von Sabine Preuße    aktualisiert am 09.12.2011

„Sie müssen gar nicht viel machen – ich habe ja nur noch Implantate!“ So oder ähnlich haben wir das schon mehrfach vernommen, wenn der eine oder andere Patient zur Prophylaxe kam, der mithilfe seines Zahnarztes eine praktische Lösung für sein „zahnloses“ Problem fand. Wenn nicht, dann beglückwünsche ich Sie hiermit zu einer über Jahre gut aufgebauten Prophylaxe-Praxis! Aber falls Sie diesen Satz nur allzu gut kennen, wird es Zeit, über gute Motivationsstrategien nachzudenken.

Patientenaufklärung anhand von Abbildungen (Quelle: Straumann).
Patientenaufklärung anhand von Abbildungen (Quelle: Straumann).


Die letzten Monate waren für unseren Implantatpatienten geprägt von Operation(en), Fäden-Entfernen, Spülen, eingeschränkter Nahrungsaufnahme, Abdrücken und abermals Abdrücken. Und nun endlich ist das zierliche Schräubchen mit der lang ersehnten Krone, Brücke oder Prothese im Mund. Der Patient kann wieder uneingeschränkt lachen, essen und vieles mehr, ist in der Regel rundum zufrieden. Aber nein, kaum erhebt er sich ein letztes Mal vom Behandlungsstuhl, sprechen wir ihn auf einen erneuten Termin an: die Prophylaxe. „Hört das denn nie auf?“ An dieser Stelle darf es nicht zu einer Motivationslücke kommen – im Sinne des Patienten und auch in unserem: Ein unwissender und unmotivierter Patient wird uns für einen etwaigen Implantatverlust verantwortlich machen! Soll also ein Patient in naher Zukunft ein Implantat erhalten, der bisher nicht in den Genuss einer Prophylaxe kam, müssen wir rechtzeitig und meist bei „null“ beginnen.

Motivationsstrategien



1) Zeigen
Unsere Patienten nehmen oft nur das wahr, was sie im Badezimmerspiegel sehen: Je nach „Lachbreite“ beschränkt sich der Blick bei eher mäßiger Beleuchtung etwa auf regio 15 bis 25 im Oberkiefer und die Schneidekanten der Unterkieferfront. Also zeige ich meinem Patienten „vorher“ und „nachher“, wie es bei ihm im Mund aussieht. Er sieht im Handspiegel, wie ich mit einem geeigneten Instrument (oder Sulkusbürste oder Floss-Faden) die entsprechenden Stellen reinige, und sieht, was ich da entfernt habe. Das im eigenen Mund Erlebte ist eine wichtige Säule der Motivation.

2) Anschauliches Erklären
Die Vorstellung, dass Plaque eine Gefahr für das umliegende Gewebe eines Implantates genauso wie um natürliche Zähne herum bedeutet, muss beim Patienten erst entwickelt werden. Ich bevorzuge hierfür professionell erstellte Abbildungen wie z.B. die aus einer Aufklärungsbroschüre der Firma Straumann. Sie zeigt nebeneinander Knochendefekte mit regenerativer Lösung, eine Brückenkonstruktion sowie ein Einzelimplantat mit gesundem und pathologisch verändertem Knochenbett. Mit wenigen Erläuterungen kann man dem Patienten sehr gut erklären, wo die Plaque und somit das „Corpus delicti“ liegt. Ein gut informierter PA-Patient sollte unbedingt aufgeklärt werden, dass für die Parodontitiskeime kein Stoppschild am Implantat aufgestellt ist, dass bei mangelnder Pflege eine Mukositis, im ungünstigen Falle eine Periimplantitis entstehen kann.

3) Freude statt erhobener Zeigefinger
Das Implantat ist ein körperfremder Gegenstand; wir erlauben ihm, in unserem Körper „Platz zu nehmen“. Aber ob unser Körper dieses Implantat lieben oder zumindest akzeptieren wird, hängt zu einem hohen Prozentsatz von uns ab. Mit solchen Bildern lässt sich leichter motivieren als mit der moralisierenden Geste. Bei im Leben stehenden, sportlichen Patienten ist das Bild von der intraoralen Fitness gut geeignet: Das tägliche Fitnessprogramm solcher Patienten muss dann neben Joggengehen, Fahrradfahren oder Squashspielen eben auch Zähne-/Implantate-Pflegen enthalten. Nur die Lokalitäten sind verschieden. In unserem Fall ist es das Badezimmer und im regelmäßigen Intervall das Prophylaxe-„Studio“. Mundhygiene ist dann nicht mehr die lästige Pflicht, zweimal täglich zu erfüllen, deren Unterlassung mit Strafe belegt ist. Sie ist vielmehr Teil unseres Wohlfühlprogramms. In diesem Sinne gilt dann analog: Fitness erhöht die Lebenserwartung – auch von Implantaten!

Lesen Sie hier den ersten Teil dieser Serie

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